Montag, 10. Juni 2013

"Pfad des Tigers" von Colleen Houck

Kelsey auf der Suche nach den richtigen Worten, einem Tuch und ihrem Prinzen.

 Nach ihrem Sommerabenteuer mit dem verfluchten Tigerprinzen Ren in Indien kehrt Kellsey voller Liebeskummer in die USA zurück und beginnt sich dort ein neues Leben als Studentin aufzubauen. Sie geht auf Dates und findet in ihrem Kampfsportlehrer Lee einen sehr guten Freund, als Ren eines Tages wieder vor ihrer Tür steht und erneut um ihre Gunst buhlt. Als dann auch noch sein charismatischer Bruder Kishan, der schwarze Tiger auftaucht, steht das nächste große Abenteuer vor der Tür, um dem Zauberer Lokesh das Handwerk zu legen und die drei reisen zurück auf den tropischen Subkontinent.

"Der Pfad des Tigers" war seit langem mal wieder ein Jugendbuch, welches ich gelesen hatte und es war eine willkommene Abwechselung in die Welt von Kellsey, Ren und Kishan einzutauchen. Seit der Veröffentlichung des ersten Bandes ist ein halbes Jahr vergangen, doch Colleen Houck schafft es sofort wieder mich mit ihrer Geschichte gefangen zu nehmen. Ihr flüssiger Schreibstil trägt förmlich durch die knapp 600 Seiten. Der ausgeprägte Abenteuer- und Roadtrippart in der Mitte erinnert ganz gerne einmal an Indiana Jones und sollte auch für Leserinnen, die eher auf die Liebesgeschichte aus sind, nicht zu langatmig werden. Die Autorin verknüpft hier geschickt Elemente aus der indischen Kultur, mit antiken und mythologischen Geschichten. Besonders spannend fand ich die Episode mit den Sylphen, welche mir zuvor noch nirgends begegnet waren und ich daher nicht sagen kann, ob sie von Colleen Houk frei erfunden sind. Originell war es allemal, besonders die Erklärung wie diese Geschöpfe geboren werden. Auch möchte ich anmerken, dass ich die "Goldene Frucht" und das "Göttliche Tuch" verdammt gerne mein Eigen nennen würde.
Sämtliche Charaktere sind von ihrer Art und ihren Taten her sehr gut gezeichnet, doch schaffe ich es einfach nicht mir ein genaueres Bild von ihnen machen zu können. Von den männlichen Protagonisten heißt es immer nur, dass sie ja so gut aussehen, muskulös sind und goldene beziehungsweise blaue Augen haben. Ansonsten scheint an ihnen nicht viel dran zu sein... Ein wirklicher Gewinn für die Geschichte ist der verschmähte Bruder Kishan, der einen erfrischenden Kontrast zum eher schwülstigen Ren darstellt. Am Ende wünschte ich mir sogar, dass Kelsey einfach mit ihm glücklich werden sollte.

Und so komme ich auch schon zum wohl größten Schwachpunkt der Geschichte: Kelsey. Ich möchte betonen, dass sie definitiv nicht mehr so nervig und unüberzeugend war wie noch im ersten Band, doch ich frage mich immer noch, warum so viele Menschen auf sie fliegen und ausgerechnet die gestelzt wirkende Kellsey die Retterin ganz Indiens sein soll. Ihre Dialoge mit Mr. Kadam (sozusagen der Dumbledore oder Gandalf der Geschichte) wirken ziemlich steif und aufgesetzt, was von der Autorin wohl als intellektuell und respektvoll gedacht war. Ab und zu kommt dann auch noch der altbekannte "was für einen Quatsch erzählst du nur"-Wahnsinn hervor, so zum Beispiel als der geschundenen, gefolterte und offensichtlich schwer verletzte Ren aus der Gefangenschaft Lokeshs befreit wird und Kelsey fragt "aber ansonsten ist er gesund?" Da ist und bleibt nur Kopfschütteln angesagt, aber nichts desto trotz ist der "Pfad des Tigers" eine spannende Fortsetzung, die Lust auf den nächsten Teil macht und die Hoffnung verspricht, dass gerade nach den dramatischen Entwicklungen die Würfel zwischen Kelsey, Ren und Kishan noch nicht gefallen sind. Ich drücke letzterem die Daumen, aber erwarte, dass Kelsey mich auch diesbezüglich enttäuschen wird. Nun ja ich bleibe für Überraschungen gerne offen und warte schon sehnsüchtig auf die Fortsetzung "Fluch des Tigers".

Wertung 4/5

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen