Montag, 10. Juni 2013

"Die Geliebte des Meisterspions" von Joanna Bourne

Ein meisterhafter Beginn für ein meisterschaftsfreies Ende


 Annique Villiers, oder in Spionagekreisen aufgrund ihrer Schläue nur das Füchschen genannt, ist gerade wieder auf einer ihrer Missionen für ihr Vaterland Frankreich, als sie mit anderen Spionen in Gefangenschaft gerät. Sie kann sich und zwei andere Insassen befreien, doch ahnt erst zu spät, dass sie in die Hände des verfeindeten englischen Spionageteams gerät. Robert Grey will zuerst nur die Albion von Annique, doch schon bald will Grey mehr, nämlich Annique mit Haut und Haar.

Ich war sehr gespannt auf die historischen Romanzen, welche der Lyx-Verlag erstmalig veröffentlichte. Eigentlich wollte ich mir "die Geliebte des Meisterspions" nicht besorgen, da ich etwas von der politischen Thematik mit Napoleons Feldzüge gegen Europa abgeschreckt wurde. Doch als ich die Leseprobe las, packte mich gleich die Spannung zwischen den beiden Protagonisten, die zwischen den Fronten ihrer Länder stehen, doch um zu überleben gemeinsam arbeiten und sich schließlich zwischen den wechselnden Machtverhältnissen ineinander verlieben.
Die ersten zwei Drittel des Buches sind im wahrsten Sinne des Wortes/Titels meisterhaft. Die Chemie stimmt auf jeder Seite, man fiebert wirklich mit und möchte, dass Grey und Annique endlich die Politik ihrer Länder vergessen und zur Sache kommen. Doch als es dann passiert ist leider die Luft raus aus der Geschichte. Annique hadert mit sich, ob sie ihr Heimatland für ihre Liebe verraten soll. Dieser innere Konflikt löst sich für sie doch ganz von allein, als Autorin Joanna Bourne ihr letztes Ass aus dem Ärmel zaubert, welches jedoch für mich nicht überraschend war. Also wartet man nur noch auf das spektakelfreie Ende.
Das Buch ist ganz gewiss kein erotischer Roman! Es kommen auch nicht zu viele Liebesszenen vor. Die Autorin hat zwar einen wundervollen Schreibstil und kreiert einzigartige Metapher, aber bei den Bettszenen hält sie sich ganz klar zurück und man erhält keine anatomische korrekten Beschreibungen von irgendetwas oder irgendjemanden. Die von einer anderen Rezensentin erwähnten 30 Seiten purer Leidenschaft am Stück wurden wohl in meiner Ausgabe zensiert... Ich bezweifele sogar, dass die Autorin diesem Thema so viele Seiten im gesamten Buch gewidmet hat.
Eine Gänsehaut kam bei mir immer wieder auf, wenn der Bösewicht der Geschichte LeBlanc auftauchte, denn was er den Frauen, die ihm den Weg kreuzen, antut, ist wirklich grausam. Zum Glück wird dieses immer nur zwischen den Zeilen angedeutet, doch das reichte schon, um mir einen kalten Schauer über den Rücken zu jagen.

Das Buch ist in seiner Gesamtheit wirklich nicht schlecht, da die gut gezeichneten Charaktere immer wieder mit intelligenten Dialogen aufwarten und einfach die Chemie stimmt. Wie erst von mir befürchtet, wird man nicht mit all zu vielen politischen Feinheiten und Feldzügen konfrontiert. Dem ersten Drittel des Buches würde ich ohne zu Zögern volle fünf Punkte geben, doch da das Ende schwächelt, gibt es von mir nur vier Sterne.

Wertung 4/5

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen