Dienstag, 4. Juni 2013

Geliebte Jane

Jane wäre zu Tränen gerührt gewesen!

 Die junge Jane wurde als 7. von acht Kindern in eine bürgerlich englische Familie des 18. Jahrhunderts hineingeboren. Von Anfang an muss sie am Beispiel ihrer Eltern erfahren was eine mittellose Heirat aus Liebe bedeutet: viele Kinder und immer weniger Geld diese zu ernähren. Und so ist es die dringlichste Sorge der Mutter ihre beiden Töchter Jane und Cassandra gut verheiratet zu wissen. Doch das Leben auf dem Lande bringt nicht viel Zerstreuung für die beiden Schwestern.
Es ist eine allgemein anerkannte Weisheit, dass ein Ball oder eine Nachmittagsgesellschaft eine gerngesehene Gelegenheit für heiratswillige Töchter war, um sich zu präsentieren. So passiert es, dass Jane Austen während eben so einer Nachmittagsgesellschaft eine Parodie auf die Verlobung ihrer Schwester vortrug, als sie je von Tom Lefroy unterbrochen wurde. Der junge Mann aus London wurde von seinem reichen Onkel aufs Land geschickt. Dieser war es Leid die Eskapaden, wie Prostituierte, Boxkämpfe und Verspätungen, des angehenden Juristen länger zu ertragen. Jane sieht das ungehobelte Benehmen des Neuankömmlings als Affront gegen ihre schriftstellerische Tätigkeit an und schon beginnen die Reibereien und eine ganz große Leidenschaft zwischen den beiden.

Wer die Biografie von Jane Austen kennt, der weiß, dass die Schriftstellerin niemals verheiratet war. Doch will die Hoffnung auf ein Happy - End zwischen Jane und Tom bis zum Ende dis Filmes nicht sterben. Ganz großen Anteil daran haben die beiden herausragenden Hauptdarsteller Anne Hathaway und James McAvoy, die es vermögen den Zuschauer emotional an das Schicksal der beiden Liebenden zu binden.
Sie verkörpert eine freche, kluge und leidenschaftliche Jane Austen, die in vielen Szenen an ihre Romanfigur Elisabeth Bennet erinnert.
Er ist der smarte, jungenhafte Anwalt Tom, der für seine Liebe zu Jane, die finanzielle Zuwendung seines Onkels aufgeben würde. In diesem Punkt liegt auch das Ende für die Tom und Jane verborgen: sie kann es nicht zulassen, dass er das Geld seines Onkels aufgibt, mit dem er zu großen Teilen seine Eltern und die vielen Geschwister vorm Verhungern rettete.
Was an der filmischen Umsetzung des Liebeslebens der Jane Austen Fiktion und was Fakt ist, sei dahingestellt. Als Berater für den Film war Jon Spencer, Literaturhistoriker und Austenbiograph tätig. Diese Verfilmung kann man also eher zu den Glaubwürdigeren zählen.
Doch vielmehr ist dieses kleine filmische Wunder auch ein Portrait der Frauen des endenden 18. Jahrhunderts, von denen man verlangte schöngeistig aber nicht intelligent zu sein. Ein hübsch anzusehendes Anhängsel des Mannes, welchen sie sich in den seltensten Fällen nach romantischen Gesichtspunkten erwählen konnten. Eine Liebesheirat ging oft Hand in Hand mit dem finanziellen Ruin.
Als Trost für diejenigen, die immer noch dem nicht vorhandenen Happy - End nachtrauern: hätte Jane Austen tatsächlich Tom Lefroy geheiratet, hätte sie niemals so viele Romane veröffentlichen können und ihre Geschichte wäre in der Bedeutungslosigkeit versunken. Ganz zu schweigen davon, dass wir nie die Ehre gehabt hätten Mr. Darcys kennenzulernen.

Wen es interessiert: die Extras sind auf der DVD leider nur spärlich gesät. Lediglich ein paar entfallene Szenen und eine Jane Austen Biografie sind zu finden. Hier wären ein paar Interviews der Schauspieler und des Regisseurs sowie ein Making-Of interessant gewesen.
Ich bin niemand, der sich sonderlich an deutschen Synchronisationen stört und auch hier kann ich nicht wirklich etwas aussetzen.

Die tollen Darsteller und ein Film, der mitreißt und zum Nachdenken anregt, können als letzte Konsequenz nur die volle Bewertung erhalten.
Wertung 5/5

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