Montag, 3. Juni 2013

In guten Händen

Ein grandioser Film, doch was ist mit Rupert Everett passiert?

Den wenigsten dürfte wohl bekannt sein, wie das beliebteste Sextoy der Welt Einzug in die Nachtischschubladen von Millionen Menschen erhielt. Weit entfernt von "Schubladengröße" ist das Gerät, welches der Arzt Mortimer Granville (Hugh Dancy) zusammen mit seinem Freund dem schrulligen Erfinder Sir Edmund St. John-Smythe (Rupert Everett)erstmals konzipieren, um Mortimer von seiner Sehnenscheidentzündung zu befreien, die er sich bei der Behandlung von Hysteriepatientinnen zugezogen hat. Worin diese Behandlung besteht, erfährt man bald auf sehr unterhaltsame Weise.

Eigentlich handelt "in guten Händen" von einem sehr ernsten und auch vor lauter Naivität sowie Dummheit ziemlich traurigen Thema, nämlich den Weg der Frau im späten 19. Jahrhunderts zu Selbstbestimmung und Freiheit. Vor allem reiche, sexuell frustrierte Frauen plagte eine gewisse naja nennen wir es Hibbeligkeit, weil das Thema Sexualität einer Tabuisierung unterlag und ihre Männer es im Schlafzimmer scheinbar zu keinen befriedigenden Leistungen brachten. In den schlimmsten Fällen wurden die als hysterisch diagnostizierten Frauen in psychiatrische Anstalten gesteckt oder "Zwangskastriert".

Diese heute schwer nachvollziehbare Thematik wurde in diesem Jahr in so liebevoller und komischer Art erzählt, dass das Zusehen einfach nur Spaß macht und 90 Minuten dahinfliegen. Das liegt an der wunderschönen Ausstattung des Filmes, der mit tollen Kostümen und ulkigen Möbelstücken, wie dem roten Vorhangständer des gynäkologischen Stuhls immer neue Kuriositäten fürs Auge liefert. Ziemlich schräg ist auch der Humor des Films, wobei ich besonders abstrus fand, wie Queen Victoria mit ihrem Spielzeug am Ende für einen Stromausfall im Buckingham Palace sorgte.
Der Film lebt auch von seinen vielfältigen Charakteren, da ist die gut erzogene Arzttochter Emily, die sich der Schädelkunde widmete, ihre Schwester Charlotte (Maggie Gyllenhaal), die als Revolutionärin ihrer Zeit für die Rechte der Frauen und Kinder eintritt und die Ex-Prostituierte Molly-Lolly, welche als erste den Vibrator testen darf.
Ich bin kein großer Fan von Maggie Gyllenhaal, doch sie ist einfach eine großartige Schauspielerin, die ihrer Figur soviel Esprit verleiht, dass Hugh Dancy fast ein wenig blass neben ihr erscheint.
Etwas geschockt war ich, als Rupert Everett auf der Leinwand erschien. Sein Spiel ist gewohnt humoristisch und verschroben, doch ich habe ihn erst nicht erkannt. Meine erste Vermutung war, dass liegt am Vollbart. Doch die Interviews im Extrapart der DVD haben meine Befürchtungen bestätigt, dass der Gute ein wenig zuviel an sich hat herumdoktern lassen. Schade! Jetzt ist er seine eigen lebende Madame Tussauds Wachsfigur...

Ich fand den Film großartig und wirklich unterhaltsam, mit viel Liebe für Detail und Humor wird hier eine Thematik abgehandelt, die uns heute -zum Glück- nur noch Kopfschütteln lässt.
Wertung 5/5

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