Donnerstag, 5. Juni 2014

7 Tage - 7 Buchenttäuschungen III

3. Tag: eine desaströs-"romantische" Enttäuschung

Eigentlich bin ich eine recht humane Leserin und gehe immer wohlwollend an einen Roman heran, schließlich habe ich ihn mir auch ausgesucht, doch wenn ich einmal enttäuscht werde, dann muss ich meinen Unmut so richtig kundtun. Wohl der Flopp des letzten Jahres - literarisch gesehen, verkauft hat sich das Buch ja wie eine warme Semmel - ist für mich "Beautiful Disaster"
Die Autorin Jamie McGuire hat hier einfach alles falsch gemacht, was man falsch machen kann und ich frage mich ernsthaft, wie die ganzen guten Bewertungen zustande kommen konnten. 


Meine kompletter Verriss:



Abby und ihre Freundin sind Ersemester am College, bei einem illegalen Box-/ Freestylekampf begegnet Abby erstmalig Travis. Er steht im Ring und schlägt seinen Gegner bis das Blut spritzt ...direkt auf Abbys spießiges Strickjäckchen... Der Beginn einer brutal-bescheuerten Liebesgeschichte....

Es ist schwer an einer Begebenheit festzumachen, was mich am meisten an diesem Buch störte. Eigentlich ging die ganze Kennenlerngeschichte noch recht flott und unterhaltsam über die Bühne, doch sobald der gefährliche, unwahrscheinlich attraktive, alles abschleppende Travis begann sich in das Dummnüsschen Abby zu verknallen, ging alles den Bach hinunter.
Selten habe ich über so eine dämmliche, selbstherrliche, manipulative Protagonistin lesen müssen, wie hier. Zu allem Überfluss besitzt sie auch noch Verbindungen zur Mafia und das Talent die Besten beim Pokern über das Ohr zu hauen, und das schon im Alter von 13 Jahren. Alles klar soweit? Nicht wirklich.

Man kann vielleicht behaupten, dass die Autorin beim Hintergrund ihrer Figuren kein glückliches Händchen besaß, aber charakterlich schießt sie dann erst recht den Vogel ab.
Schlimm genug, dass Abby zeitweilig noch zweigleisig fährt. Sie datet den angehenden Medizinstudenten Parker, lässt sich von ihm nach kurzer Datingphase ein Diamantarmband schenken und flirtet die ganze Zeit über mit Travis und lässt sich ebenso zu ihrem Geburtstag von ihm beschenken. Es gibt einen Welpen, dessen Existenz aber keine große Rolle zu spielen scheint. Er wird mal eben zu Bekannten mit loser Moral, bzgl. Drogen, abgeschoben, wenn der kleine Toto Glück hat, ansonsten ließ man ihn am Ende auch schonmal für ein Wochenende allein zu Haus, oder der Hund muss hautnah miterleben, wie sein Herrchen die Wohnung kurz und klein schlägt, weil ihm die Freundin (mal wieder) abhaute. Wäre das die Geschichte eines realen Hundes, könnte ihm später selbst der Hundeflüsterer nicht mehr helfen.

Abbys Spielball, Travis, ist mindestens genauso schlimm geraten. Er ist gewalttätig und eifersüchtig ohne Ende. Eine schlechte Kombination. Abby, die nebenbei noch das schärfste Mädchen des Colleges sein soll, wird angesehen und Travis verpasst im gleichen Atemzug Fausthiebe. Am Ende färbt dieses Verhalten auch noch ab und der einstige Diamantenjunge wird von der undankbaren Abby direkt mit abgewatscht...bis das Armband klimperte.
Die beiden haben sich absolut verdient und bilden ein absolut unromantisches, unsympathisches, unharmonisches und unverantwortliches Pärchen.

Selbst der Schreibstil der Autorin kann es nicht herausreißen. Diese Geschichte und Jamie McGuire profitierten definititv vom Shades of Grey - Hype, ohne ihn wäre sie sicher nicht verlegt wurden. Dies hier hat damit jedoch nichts zu tun. Die Sexszenen sind langweilig und verklemmt geschrieben, dafür, dass Travis keine Studentin ausließ, scheint sein Können nicht sehr ausgereift zu sein. Eine "kommende Abby" sucht man vergeblich.
Das "Täubchen" kann ich nicht mehr hören, lesen oder sehen - einfach nur grausam dieser inflationäre Gebrauch von despektierlichen Kosenamen!
Was man hier Handlung nennen könnte, ist eine Aneinanderreihung von Streits, Flirts, Brutalitäten und haarstreubenden Ereignissen und das in Dauerschleife, gekrönt von einem schwachsinnigen Ende. Das Wort Desaster beschreibt dieses Buch daher schon recht gut, nur würde ich das Adjektiv austauschen wollen.

Als würde das Übel nicht schon perfekt sein, patzt auch noch der Piper-Verlag und streicht erstmal die "13"(S.283, 1. und 2. Auflage) und schreibt "14. Kapitel" hin. Da hat man super aufgepasst...

Ich kann wirklich kein gutes Haar an "Beautiful Disaster" finden, Vergleiche mit den Buchreihen von Simone Elkeless gleichem einem Schlag ins Gesicht für deren Leserschaft. Dieser Roman schafft es in diesem Fall ganz oben an die Spitze meiner Liste des schlechtesten Buches 2013. Na herzlichen Glückwunsch...

Ps: "Walking Disaster" erzählt die ganze Katastrophe aus Travis Sicht. Klar, dass ich mir das nicht mehr antun werde.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen