Freitag, 16. Oktober 2015

5 von 5 für "In dieser ganz besonderen Nacht" von Nicole C. Vosseler

Der nächste Beweis dafür, dass sich der Urlaubsausflug zum Bücheroutlet vollauf gelohnt hat, ist "In dieser ganz besonderen Nacht" von Nicole C. Vosseler. Ich hatte eine neue, eingeschweißte, nicht als Mängelexemplar deklariere Hardcoverausgabe für 3,50Euro gefunden. Im Buchhandel zum regulären Preis hätte ich das Jugendbuch vielleicht gar nicht in die Hand genommen, ganz einfach weil mir das Cover viel zu kitschig ist. Doch im Outlet für 80% Rabatt klang der Inhalt spannend und anders als gewohnt:
Amber ist gerade mal 16 als sie ihre Mutter an einen Hirntumor verliert. Komplett überfordert mit der neuen Situation muss sie zu ihrem Vater, den sie kaum kennt, in die USA ziehen. In San Francisco fühlt sich Amber von vielen unverstanden, kämpft mit ihrer Trauer und findet nur langsam Anschluss in der neuen Schule. Als sie eines Abends nach einem Übergriff fliehen muss, stößt sie auch ein altes verlassenes Haus, betritt es und findet die Liebe. Nathaniel haust in dem über 100 Jahre alten Haus und birgt ein dunkles Geheimnis, denn er entstammt aus der gleichen Zeit wie das Gebäude.
Was hier ganz teenieschnulzenmäßig klingt, ist der Beginn eines der schönsten und emotionalsten Bücher, welches ich seit langem gelesen habe. Das liegt nicht am vielen Schmachten, scharfen Untoten oder heißen Erzählungen, sondern an der Einzigartigkeit der Geschichte und ihrer Figuren. 
Nicole C. Vosseler hat mit ihrem packenden Erzählstil eine Handlung gestrickt, die wahnsinnig real scheint, dafür, dass es um Geister und Geistersichtungen geht. Nath ist ein Geist und um einer geworden zu sein, muss er in seinem Leben schlimme Dinge begangen haben, an die er sich allerdings nicht erinnern kann. Dies ist allerdings nicht der Fokus der Geschichte, sondern viel mehr die Tragik, dass Amber in ihn ihren Seelenverwandten entdeckt hat, mit dem sie jedoch unmöglich zusammen sein kann, nun ja mal ganz von dieser "besonderen Nacht" abgesehen, die sich Halloween nennt und in der die Toten scheinbar wieder auferstehen. So können Nath und Amber für wenige Stunde beeinander sein, sich und alle Umstände vergessen. Was jedoch danach passiert, löscht beide unaufhörlich aus...
Das Buch hat mich vom Anfang bis zum Ende hin komplett abgeholt und mitgenommen. Selten lese ich perfekte Bücher, doch dieses ist eines. Selten rührt mich ein Buch zu Tränen, doch dieses tat es. Wie Amber von ihrer Mutter und ihrem langsamen Abschied erzählt ist berührend, ebenso wie das etwas andere, wundervolle Ende.
Gut gezeichnet waren auch die Nebencharaktere, die sich nach und nach als Geister sehende Clique um Amber sammeln und ein tolles Gespann bilden. Die Autorin hat es einfach perfekt gemacht, jeder Figur eine Tiefe zu verpassen, der Handlung einen Sinn zu geben und dem Buch so viel Gefühl und Weisheit von der Vergänglichkeit des Lebens einzuhauchen, dass es so viel mehr Wert ist, als der Preis auf seinem Schutzumschlag. Wer ein gutes Buch für graue Herbsttage sucht, wird hiermit ja sowas von fündig! 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen