Montag, 31. Oktober 2016

Grenzerfahrung | Paper Swan von Leylah Attar

Vor kurzem habe ich eine neue Leseplattform entdeckt. Sie heißt Netgalley und auf ihr kann man Ebooks direkt beim Verlag anfragen, wenn man denn "professionell" liest. Bastei Lübbe bzw. LYX ist auf  Netgalley vertreten und so bewarb ich mich für einen Titel, um den ich schon länger umherschlich, allerdings von den gemischten Bewertungen abgeschreckt wurde. Es war "Paper Swan" von Leylah Attar.
Skye Sedgewick ist die wohlbehütete Tochter eines Millionärs. Als sie eines Tages auf einem Parkplatz entführt und auf einem Boot gefangen gehalten wird, glauben alle an ein Verbrechen aus Habgier. Skye ahnt jedoch, dass hinter ihrem Entführer mehr steckt und beginnt die losen Fäden mit ihrer Kindheit in Mexiko zu verknüpfen.

Die Inhaltsangabe hat mich sehr angesprochen und dass, obwohl ich kaum noch Thriller oder Krimis lese. Paper Swan lässt sich auch nicht in ein Genre hineindrängen, sondern ist eine außergewöhnliche Geschichte, die mehrere Elemente vereint. Ich denke, die meißten negativen Rezensionen sind zustande gekommen, weil man an die Geschichte mit den falschen Erwartungen herangeht oder sie schlicht nicht verstanden hat. "Paper Swan" ist nicht nur eine Entführungsgeschichte oder ein Thriller oder eine Liebesgeschichte. "Paper Swan" ist außergewöhnlich und somit abseits des konventionellen Lesegeschmacks.

Skye ist Mitte 20 und Daddys Liebling. Dabei ist die Millinärstochter nicht unbedingt verwöhnt, zickig oder herablassend. Skye hat das Herz am richtigen Fleck und schwelgt oft in ihren Kindheitserinnerungen in Mexiko mit ihrem geliebten Kindermädchen und dessen Sohn Esteban. Als sie entführt wird, rechnet sie mit dem Schlimmsten und versucht zu durchschauen, was ihr Peiniger mit ihr vorhat. Nach und nach entblättert sich seine Identität und seine Beweggründe.
Dies geschieht bereits im ersten Drittel des Buches, was ich allerdings nicht tragisch fand. Die Geschichte ist an dieser Stelle noch lange nicht auserzählt.

Damian, Skyes Entführer, bleibt zu Beginn sehr blass. Wir werden hauptsächlich mit seinen Grausamkeiten konfrontiert, was für einige Schockmomente sorgte und mich fragen ließ, wie die Autorin hier noch die Kurve bekommen wollte. Danke der Perspektivwechsel, in dem wir von seiner Vergangenheit erfahren, verschieben sich die Sympathien zu seinen Gunsten und es bleibt weiter spannend. Wie Leylah Attar ihre Erzählung spannte und aufbaute, fand ich außergewöhnlich und stimmig. So etwas habe ich bisher noch nicht gelesen, was schon einiges heißt.

Gerade zur Mitte des Buches kommen leider ein paar Längen hinzu. Die Handlung konzentriert sich auf ein paradiesisches Inselsetting, was traumhaft war, leider beginnen die Protagonisten hier auf der Stelle zutreten, wodurch ich das Buch nicht in einem Zug durchlesen wollte. Dies ist allerdings schon mein einziger Kritikpunkt.
Denn das letzte Drittel des Buches hat einiges wieder herausgeholt und war an Emotionalität und Charakterentwicklung kaum zu schlagen.
Die Autorin wagt sich hier das Unvermeidliche, Damian erhält seine Bestrafung und die Geschichte macht einen Sprung über 8 Jahre. Die Handlung gewinnt an Tempo, Spannung und interessanten Wendungen hinzu. Während des Lesens hatte ich oft einen Kloß im Hals und war mir nicht immer sicher, wie die Geschichte ausgehen würde, was sehr erfrischend war.

Leylah Attar, die das Buch ursprünglich im Alleingang publizierte, hat mit Paper Swan eine außergewöhnliche Geschichte virtuos verfasst. Um sie genießen zu können, sollte man sein Schubladendenken ablegen und die Erzählung einfach auf sich wirken lassen. Für mich hat es sich gelohnt und ich werde noch oft an Skyes und Damians Geschichte zurückdenken.
5/5

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