Montag, 14. November 2016

Gänsehautmomente | Ihr letzter Sommer von Anna Snoekstra

Für die Plattform hatte ich das Glück und durfte die neue Publikation aus dem Harper Collins Verlag "Ihr letzter Sommer" von Anna Snoekstra lesen. Mittlerweile lese ich nur noch sehr selten Thriller, doch bei diesem Klappentext war ich direkt gefesselt und stellte mich auf einige spannende Lesestunden ein.



Was geschah mit Rebecca Winter? Dies fragt sich seit 11 Jahren halb Australien. Als eines Tages eine junge Frau mit roten Haaren aufgegriffen wird, platzt die Bombe. Sie behauptet Rebecca zu sein, sieht sie ihr schließlich verdammt ähnlich. So kommt sie zu Becs Familie zurück und beginnt ihr Leben weiterzuleben, schlüpft in Becs Geschichten, Kleidern und Beziehungen, nichts ahnend, dass die Gefahr, welche zu Rebeccas verschwinden führte, niemals gebannt wurde.

Ich lese solche Geschichten sehr selten, ich weiß nicht, wann ich zuletzt einen Roman ohne enthaltene Liebesgeschichte las. "Ihr letzter Sommer" sprach mich trotzdem an und ich war sehr gespannt, was es mit der verschwundenen Rebecca Winter (irgendwie musste ich hier ständig an Rebecca (de Winter) aus der gleichnamigen Filmadaption von Hitchcock denken) auf sich haben würde.
Leider ist nicht nur mit unserer Protagonistin und Rebecca etwas schief gelaufen, sondern auch mit dem Debütroman von Anna Snoekstra. Doch dazu gleich mehr.

Unsere Protagonistin ist eine Herumtreiberin, die wegen Kreditkartenbetrugs gesucht wird. Wir erfahren ihren Namen nicht. Als sie bei einer Polizeibefragung  in die Ecke gedrängt wird, wagt sie das unsägliche und behauptet die vermisste Rebecca Winter zu sein. Sie sieht ihr sehr ähnlich und so steigen die Polizisten auf ihre Lüge ein. Die neue Becs schafft es tatsächlich die Eltern und Zwillingsbrüder, sowie Becs Freunde zu täuschen. Zwar bleiben Fettnäpfchen und unangenehme Situationen nicht aus, doch niemand stellt fragen. Zu spät merkt unsere Protagonistin den Fehler.
Sie hat keine Skrupel sich auf die Situation einzulassen, was sehr an ihrer Person zweifeln lässt, trotzdem hatte ich mich zum Schluss des Thrillers recht gut mit ihr angefreundet. Die neue Becs hat Fehler gemacht, zeigt sich jedoch einsichtig, was zwischen uns für eine versöhnliche Stimmung sorgte.^^

Die tatsächliche Rebecca bleibt während der Handlung nicht fremd. Die Kapitel sind abwechselnd in der Gegenwart und vor 11 Jahren angesiedelt. Der Countdown für Rebeccas Verschwinden läuft ab und wir rätseln in beiden Zeitschienen mit, was geschah. Auch die Teenager Rebecca ist nicht gerade ein Sonnenschein, aber dies hat zur Geschichte einfach gepasst.

Mir fiel es schwer zunächst in die Geschichte zu finden. Die ersten zwei Drittel des Buches plätschern vor sich hin. Erst auf den letzten 100 Seiten kommt die Spannung auf und ich war an die Buchseiten gefesselt. Ich hätte mir für das gesamte Buch eine subtile Spannung gewünscht. So war es größtenteils recht zäh. Dabei war der Schreibstil sehr atmosphärisch und hat mir gut gefallen. Anna Snoekstra legt ein paar Fährten aus, von denen ich erst befürchtete, dass der Ausgang sehr vorhersehbar werden würde. Doch dies ist er nicht. Allerdings trägt dies nicht zur Glaubhaftigkeit der Story bei. Ich möchte nicht spoilern, doch wenn ich eine der verantwortlichen Personen gewesen wäre, ich hätte alles in Bewegung gesetzt, um das aufzuhalten und nicht zu decken. So konnte ich die Charaktere gegen Ende nicht nachvollziehen. Ein paar Begebenheiten fand ich auch abscheulich, sodass ich sie nur querlas. Wenn es um Tiere geht, will ich soetwas einfach nicht als Unterhaltungsliteratur haben.

Drei Punkte sind mir aufgefallen, bei denen ich mich fragte, wer da mehr gepennt hat, die Autorin oder das Lektorat. Rebecca verschwindet am 18. Januar, die neue Becs bekommt ein Video gezeigt, auf dem das Verhör der Freundin Lizzie zum Verschwinden zu sehen ist. Dies ist die bereits 5. Sitzung vom 09. Januar des gleichen Jahres. Lizzie wars! Lizzie hat Rebeccas Entführung bis aufs kleinste mit der Polizei geplant! Nicht.
Dafür hat Lizzies Vater ein Wundermittel gegen Haarausfall entdeckt. In der Vergangenheit blitzt seine Glatze im Zimmer auf, während er in der Gegenwart zurückgegeltes Haupthaar trägt. Vielleicht hat er einfach nur aus modischen Gründen rasiert.
Problematisch wurde es für die neue Becs allerdings im großen Finale. Sie möchte durch das einzige Fenster in ihrem Zimmer stiften gehen, bekommt es allerdings nicht auf, da es durch Farbschichten versiegelt wurde. Nur komisch, dass sie ihre Mutter ein paar Seiten zuvor bittet, das Fenster zu öffnen und diese keine Probleme damit zu haben scheint.
Ich kann schon verstehen, dass man als Autorin irgendwann den Überblick verliert, aber irgendwem müssen die Logikfehler beim Gegenlesen doch aufgefallen sein!?

Die Endszene des Buches ist eigentlich recht clever und passt zur geheimnisvollen Geschichte. Allerdings macht sie aus "Ihr letzter Sommer" kein rundes Leseerlebnis mehr. Rebeccas Geschichte fasziniert und stößt ab zugleich. Mehr Schliff hätte dem Debüt allerdings gut getan.
3/5

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