Dienstag, 14. März 2017

Reich und Schön 2.0 | Bourbon Kings von J.R. Ward

Dank ihrer Black Dagger Reihe ist J.R.Ward wohl die Autorin mit den meisten Büchern in meinem Regal. Die Serie habe ich allerdings seit einiger Zeit nicht mehr weitergelesen. Als ich sah, dass ihre Bourbon-Reihe bei LYX erscheint, war ich neugierig auf die neue dramenreiche Geschichte, die sich als neue Version der 90er TV-Serie "Reich und Schön" zu entpuppen schien.
Lane Baldwin will mit seiner Familie, die ein Bourbon-Imperium in den Südstaaten betreibt, nicht mehr viel zu tun haben. Als er die Nachricht erhält, dass seine Kinderfrau schwer erkrankt ist, reist er zurück und läuft auf dem riesigen Anwesen direkt seiner verlorenen Liebe Lizzie in die Arme. Zwischen beiden herrscht böses Blut, denn Lane heiratete eine andere, die getrennt von Lane auf dem Familiensitz residiert. Wäre das nicht genug an Drama deckt Lane die Machenschaften seines Vaters auf, der das Bourbongeschäft in den Ruin treibt. Ein Strudel schlimmer Ereigniss beginnt.

Ich tat mich ziemlich schwer mit dem ersten Drittel des Buches. Ich muss dazu sagen, dass ich parallel einfach besseren Lesestoff auf meinem Nachttisch liegen hatte.
J.R.Ward ließ sich viel Zeit um die einzelnen Charaktere und deren Lebensumstände, vorallem auf dem Familienanwesen Easterly, genauestens zu beschreiben. Dabei herrschte vorallem die Devise Klotzen, nicht Kleckern. Mir war es stellenweise zu viel des Guten. Ich muss nicht stets unter die Nase gerieben bekommen, dass der RR Phantom einen halbe Millionen gekostet hat, oder dass unser Protagonist einen "Ersatzporsche" besitzt. Das bringt mir die Charaktere nicht näher, sondern schafft für mich nur Distanz. 
Soll ich nun Mitleid mit den verwöhnten, reichen Kids haben, denen das Geld ausgeht oder soll ich mit ihnen leiden, weil ihr Vater ein Tyrann ist?
Ich konnte beides nicht, weil J.R.Ward mir die Charaktere einfach nicht sympathisch erscheinen lassen konnte. Ich war stets im Zwiespalt.

Lizzie ist eine bodenständige Figur, die sich alles selbst erarbeitete und im starken Kontrast zum Luxusleben der Baldwins steht. Sie arbeitet als Gärtnerin für Lanes Familie. Dieser vertreibt hauptsächlich seine Zeit mit Pokern. Er ist definitiv nicht mein Lieblingsprotagonist aus der Feder der Autorin. Zwischen beiden konnte ich die Chemie nicht wirklich spüren, auch das Prickeln in den erotischen Szenen blieb aus. Diese stehen im Buch auch nicht im Fokus. Dafür nehmen, die anderen Figuren einen sehr großen Raum ein, was mir aber gut gefiel, da es der Geschichte viele verschiedene Facetten einbrachte.
 
Da ist zum einen Lanes Schwester Gin, die mit ihren Sprüchen Eindruck hinterlässt und gleichzeitig alles wieder verspielt, indem sie, um ihren Lebensstandard zu halten, alles mit sich tun lässt und sich überhaupt nicht für ihre Teenie-Tochter interessiert. Gin ist in meinen Augen eine ziemlich schwache Figur.

Ihren Loveinterest, Anwalt Sam, mochte ich hingegen, obwohl er auch von fragwürdiger Moral ist. 
Eine weitere interessante Figur war Edward, der älteste Bruder im Baldwin-Clan. Er lebt zurückgezogen, da er nach einer Entführung schwer verstümmelt heimkehrte. Einerseits nervt mich seine beständige, selbstmitleidige Sauftour, andererseits finde ich seine mögliche Lovestory mit Geschäftskonkurrentin Sutton, sehr ansprechend und interessant.

Vorm Lesen dachte ich, dass der erste Teil der Trilogie allein Lane und Lizzy gewidmet sein würde. Ich kenne die Black Dagger Reihe, daher hätte ich es besser wissen sollen. Die Protagonisten haben in Teil eins zwar ein kleines Happy End, aber ich kann mir gut vorstellen, dass ihre Geschichte in den Folgebänden noch munter weitergeht. Ebenso, wie die bereits angeschnittenen Geschichten von Gin und Edward.

Wenn man sich dazu entschließt Band eins zu lesen, dann muss man auch zum Rest der Trilogie greifen. Eigentlich mag ich dies nicht so gerne, da sich das Ende eines Buches nicht so anfühlt, sondern immer abgehackt erscheint, doch bei den Bourbon Kings würde ich gerne weiterlesen, auch wenn der LYX-Verlag in den Klappentexten der Fortsetzungen ärgerlicherweise wahnsinnig spoilert! 

Irgendwie packt mich doch eine perverse Neugier, wie es mit den Figuren und ihren ganzen Dramen und Dilemma weitergeht. Es fühlt sich sehr nach einer Dramaserie à la "Reich und Schön" an. Kein Wunder also, dass die TV-Rechte der Bourbon Kings auch schon verkauft worden sind.

Ein zäher Auftakt gestaltete sich dann doch noch zu einem packenden Buch, bei dem ich mir nicht sicher bin, ob ich mit den Charakteren leiden soll oder ihr Schicksal mit ein wenig Schadenfreude verfolge...

4/5

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