Montag, 28. November 2016

3 von 5 für "Seelenhauch" von Annie J. Dean

Der Carlsen Verlag hat vor wenigen Wochen seinen neuen Imprint-Verlag "Dark Diamonds" gelaunched. Dark Diamonds soll für etwas erwachsenere Fantasy stehen und ist bisher nur auf dem Ebook-Markt vertreten. Die Neuerscheinungen des Verlags klangen für mich sehr ansprechend. Hier entstehen Liebesgeschichten unter fantastischen Voraussetzungen. "Seelenhauch" von Annie J. Dean sprach mich dabei besonders an.
Helen ist 20 und eine Krankenschwester in Berlin, eigentlich glaubt sie nicht an Geister. Als sie zusammen mit ihren Mitbewohnerinnen in der WG-Küche ein Gläserrücken praktiziert, fallen alle Beteiligten ein wenig von ihrem Glauben ab. In der WG geschieht Eigenartiges, doch vorallem Helen wird von Geist Kilian heimgesucht. Dieser schickt sie zu Elias, einem tätowierten Jungdesigner mit dem sie Kilians Familiengeheimnis auf den Grund gehen soll. Dabei beginnen die Grenzen zwischen heute und gestern zu verschwimmen.

Mir fällt es nicht ganz leicht, "Seelenhauch" zu bewerten. Mir gefällt die Idee dahinter wahnsinnig gut. Es geht um Familiengeheimnisse und Tragödien, die sich im Berlin bzw. Potsdam des beginnenden 20. Jahrhunderts zugetragen haben. Helen und Elias müssen diesen auf den Grund gehen, damit der spukende Geist Kilian endlich seine Erlösung findet.

Als ich den Prolog las, war ich schon Feuer und Flamme. Annie J. Dean hat es dort geschafft so viel Atmosphäre Schmerz und Trauer in diese Zeilen zu bringen, dass ich für den Rest des Buches Großes erwartet hatte. Leider schaffte sie es nicht ihren Stil auf diesem Niveau zu halten. Das Setting beschrieb sie zwar so, dass ich mir alles genauestens vorstellen konnte. Helens Wohnung, das Herrenhaus und die Begegnungen in der Stadt. Doch war es an vielen Stellen sehr bemüht und überladen. Ich muss nicht jedem Objekt mindestens zwei Adjektive voranstellen, um es möglichst plastisch zu gestalten. Leider verlor ich so beim Lesen oft die Lust daran.

Helen und Elias waren gut gezeichnet, stellenweise vielleicht ein wenig blass. Allerdings war ihr größtes Problem, dass sie in den Dialogen schnell zu einer Person verschmolzen sind. Die Autorin konnte ihnen in ihrem Gesagten keinen eigenen Charakter einhauchen. Die Worte der beiden waren oft gestelzt und es klang, als würde gerade Elias selbst aus der Vergangenheit gekommen sein. Das klang zwar sehr ansprechend, hat aber nicht authentisch zu den modernen Charakteren gepasst. 

Eine weitere Schwäche waren die vielen Längen der Handlung und deren Vorhersehbarkeit. Erst spät beginnt die Geschichte an Fahrt aufzunehmen. Ich fand die Idee mit den Rückblicken in die Vergangenheit toll, als sie endlich eintrat und wir die ersten Geschichten aus der Vergangenheit um Kilian und Katharina erfuhren. Helen versucht zusammen mit Elias herauszufinden, was mit den beiden geschah. Das war ziemlich langatmig, da kaum neue Erkenntnisse hinzukamen. Am Ende bekommen sie alles hautnah gezeigt, und das fand ich sehr vorhersehbar und spannungsarm. Mir fehlte der große Überraschungsmoment. Schließlich war die Geschichte schneller vorbei als die umfassende Einleitung vermuten ließ. Das fand ich schade und wurde der guten Idee nicht unbedingt gerecht.

Wenn ich andere vom Dark Diamonds Verlag und dessen neuem Konzept reden hörte, fielen oft die Worte "New Adult" und "Erotik". Seelenhauch lässt dies vermissen. Dies fand ich nicht unbedingt tragisch. DIe Geschichte hätte dies nicht gebraucht, allerdings sollte man dahingehend die Erwartungen zurücknehmen. Ich weiß nicht, wie die anderen Titel des Verlages dahingehend ausgelegt sind. "Seelenhauch" ist dann doch sehr keusch. Obwohl ich mir mehr Knistern und Chemie zwischen Elias und Helen gewünscht hätte. Diese durften es zumindest, während ich bis heute nicht verstehe, warum Kilian und Katharina so auf ihrer Liebe bestanden, man erfährt nämlich so ganz nebenbei dass sie Halbgeschwister sind, kümmert tut dies allerdings kaum jemanden, von den Eltern einmal abgesehen...

Leider hatte ich mir von "Seelenhauch" mehr versprochen. Die Autorin schafft es stellenweise mit ihrem bildhaften Schreibstil tolle Szenen zu erschaffen, lässt dafür bei den Charakteren und dem Erzähltempo einiges vermissen. Die Idee ist sehr interessant, leider wird die Geschichte ihr nicht ganz gerecht. 

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