Montag, 7. September 2026

Hörbuchrezension | Love and Rent von Jo Cheetham


Hannah glaubt nicht an die Liebe und schafft es nicht ohne Zynismus einen Liebesfilm mit ihrer besten Freundin zu schauen. Als es für sie finanziell ziemlich schlecht bestellt ist, tut sie das Undenkbare und zieht mit Oscar zusammen, den sie seit kurzem datet. Oscar, der eine vernünftige Wahl zu sein scheint, der aber auch total besessen von seiner Mutter ist. Hannah muss also bald für sich erkennen, was Liebe und Beziehungen für sie bedeutet.

Das Buch wäre eigentlich komplett von meinem Radar verschwunden, wenn es nicht mit „Bridget Jones für eine neue Generation“ beworben worden wäre. Ich liebe Bridget Jones und war demnach gespannt, was dieses Versprechen tatsächlich kann.

Wir lernen Hannahs Lebensumstände kennen. Sie hat einen Job im Museum, dem allerdings die Gelder gekürzt werden sollen. Hannah sieht sich schon ihre Wohnung nicht mehr halten können. Zu ihrer verbitterten Mutter zurückzuziehen ist dabei definitiv auch keine Option. Hannah hat in ihrem Umfeld hauptsächlich Negativbeispiele um sich herum, was romantische Beziehungen anbelangt. Daher kann ihre beste Freundin nicht nachvollziehen, warum Hannah mit Oscar von London nach Edinburgh zieht. Wir stecken mitten in Hannahs Kopf und wissen, was sie antreibt. Das machte sie für mich sehr nahbar, da ich ihre Motivation hinter ihren Entscheidungen besser verstehen konnte.

Überhaupt hat die Autorin ihre Figuren sehr gut ausgearbeitet. Mit Kiera bekommen wir eine beste Freundin, die für Hannah da ist, aber definitiv auch hinterfragt, was da gerade vor sich geht. Die Geschichte ist tatsächlich eher über Freundschaft und Zwischenmenschliches als über Liebe. So bekommt Hannahs Mutter auch einen großen Part eingeräumt. Die Handlung bekommt ernste Aspekte hinzu, ohne hinunterzuziehen. Sie ist ganz oft nicht angenehm zu verfolgen, dafür aber sehr real, als würde man das Leben einer Freundin beobachten. So muss Hannah einfach selbst erkennen, was sie in ihrem Leben will und das der einfachste Weg nicht immer der Beste ist.

Dann blitzen immer wieder witzige Momente durch, die mich beim Hören auflachen ließen. Trotz dessen das Buch nicht in meinen bevorzugten Genres angesiedelt ist, hat es mir wirklich Spaß gemacht und das hatte ich nicht unbedingt erwartet.

Das Hörbuch umfasste 8,5h und wurde von Lena Tiemann eingelesen, die einen sehr guten Job macht und den Figuren Leben einhauchte.

„Love and Rent“ von Jo Cheetham erzählt witzig und ernst Hannahs Geschichte, sich im Beziehungschaos der Gegenwart durchzufinden. Das hat mir überrascht gut gefallen.

4/5

Donnerstag, 3. September 2026

Hörbuchrezension | In stormy weather von Chelsea Curto


Dr. Quincy Monroe ist eine brillante Meteorologin, die ihre Leidenschaft für das Wetter, Stürme und Hurricanes mit ihren 3 Millionen Social Media Followern teilt. Keiner macht ihr in ihrem Fachgebiet etwas vor. Nicht mal Sebastian, der ein arroganter Wetterstar ist und für eine Dokumentation in seine alte Heimatstadt zurückkehrt. Ausgerechnet zur schlimmsten Hurricane-Saison wirbelt er Quincys Leben mächtig durcheinander.

Das Cover hatte mich neugierig gemacht und ich hatte Lust auf eine Lovestory mit Sommervibes. Die sollte ich eigentlich auch bekommen, denn das Setting in Florida, war heiß, schwül und spannungsgeladen.

Wir lernen Quincy als sehr ambitionierte, junge Frau kennen, die Social Media zu ihrem Job machte und ihr Wissen mit einem Millionenpublikum teilt. Doch sie strebt nach mehr und bewirbt sich für einen Job in einer staatlichen Forschungseinrichtung. Quincy kämpft allerdings auch mit den Vorurteilen in ihrer Branche, weil sie eine Frau ist. Ehrlicherweise konnte mich dieser Aspekt der Geschichte nicht so überzeugen, den sie hat einen Doktortitel und ein riesiges Publikum, welches hinter ihr steht. Trotzdem lässt sie sich von blöden Kommentaren in der Branche aus der Bahn werfen, anstatt diese als Unsicherheiten schwacher Männer zu entlarven. Sie ist super schlau und selbstbewusst, mach die Typen doch einfach fertig! Allerdings war Quincy eher die Kandidatin, die sich retten lassen musste. So richtig bin ich mit ihr nicht warm geworden.

Sebastian war für mich auch ein schwieriger Kandidat. Er ist der Bruder von Quincys bester Freundin. Beide kennen sich also schon seit der Schule und stehen seit dem heimlich aufeinander. Sie verfolgten seit dem, was der jeweils andere tut. Als er zurück nach Florida kommt, ist von „messerscharfen Schlagabtäuschen“ (wie es im Klappentext heißt) für mich nicht viel zu spüren gewesen. Beide ergänzen sich recht schnell und gehen gemeinsam auf Sturmjagd. Rivalitäten? Keine Spur! Was eigentlich ganz süß hätte sein können, bekam in den Spiceszenen ein Cringe-Level 500. Sebastian hat so ein übersteigertes Selbstbild, dass er agierte, als wäre er in einer anderen Branche vor der Kamera tätig und nicht als Wettermoderator. Ich empfinde wirklich sehr selten so, was Spice anbelangt, aber dieser war für mich echt zum Fremdschämen. Ich fand es auch so unrealistisch, dass beide im schlimmsten Hurricane schutzlos übereinander herfallen. Dabei sind beide verletzt und müssen um ihr Leben bangen, wie konnten die da in Stimmung kommen?!

Die Protagonisten waren also nicht mein Fall und auch die Nebencharaktere konnten mich nicht von den Socken hauen. Sie bekommen sehr viel Raum und wir lernen sie schon gut kennen, daher gehe ich davon aus, dass es weitere Bände geben wird, doch emotional hat mich einfach keiner erreicht.

Die Thematik ist mal was anderes. Ich habe noch kein Buch gelesen bzw. gehört, in dem es um Hurricanes ging. Das war schon interessant gemacht und auch sehr atmosphärisch, wenn die Autorin die Wetterlagen beschrieb, mit denen die Figuren gerade konfrontiert wurden. Das war allerdings das Einzige, was mich wirklich bei der Stange halten konnte.

Das Hörbuch umfasst 12,5h und wurde von Pia-Rhona Saxe und Alexander Schwarz eingelesen, die einen guten Job machten.

„In Stormy Weather“ von Chelsea Curto konnte mich leider nicht vom Hocker wehen. Dafür wurde ich mit den Figuren einfach nicht warm genug. Schade eigentlich, denn die Thematik ist wirklich interessant.

3/5

Dienstag, 1. September 2026

Buchtipp | The Poison Daughter von Sheila Masterson

Über Vorablesen zog dieses Buch bei mir ein und ich war so gespannt auf die Geschichte, weil ich schon richtig viel Gutes dazu hörte. Außerdem klang der Klappentext ganz nach meinem Geschmack und ich freute mich sehr in „The Poison Daughter“ einzutauchen.



Ein Kuss von Harlows Lippen tötet jeden. Ihr erster Ehemann ist schon längst tot, ihr Zukünftiger soll bald folgen. Nachts vergiftet Harlow so jeden Mann, der sich an Frauen und Kindern vergeht. Als ihr neuestes Opfer nach einem Kuss nicht tot umfällt, ist Harlow entsetzt. Ihre giftigen Lippen wirken immer! Als sich das Opfer auch noch als Henry Havenwood entpuppt, ihr Verlobter, ist Harlow ziemlich aufgeschmissen. Doch anstatt Harlows Spiel auffliegen zu lassen, nimmt Henry sie mit in seine Stadt. Er hat ganz eigene Pläne und Harlows Wege, ihn wieder loszuwerden, führen über sein Herz.

Der Beginn der Geschichte ist wirklich packend. Die Autorin nimmt uns direkt mit auf Harlows nächtliche Rachezüge. Sie ist eine Auftragskillerin und entledigt Frauen ihrer gewalttätigen Männer. Dem wichtigsten Menschen in ihrem Leben kann sie so nicht helfen. Ihre Schwester bedeutet Harlow alles, doch ausgerechnet sie ist in einer gewaltvollen Ehe gefangen. Harlow hat mehrere Geschwister und alle werden von ihren Eltern für ihre Zwecke eingespannt, um die Machtverhältnisse in Lunameade aufrecht zu erhalten. Die Feste ist von hohen, dicken Mauern umgeben, denn sie muss vor den Blutleeren verteidigt werden. Diese hausen in den Wäldern und greifen alles und jeden an.

Einige Einwohner von Lunameade sind von den Göttern gesegnet. Das heißt, sie haben besondere, magische Fähigkeiten. Harlows Familie zählt dazu. So ist Harlows Fähigkeit das Erzeugen von Giften. Die Welt, die die Autorin erschuf, war wirklich spannend, sehr bildhaft, aber auch leicht nachzuvollziehen. Das fand ich während des Lesens sehr angenehm, weil ich mich komplett auf die Handlung einlassen konnte, ohne Verwirrungen und Hinterfragen, wie etwas gemeint sein könnte. Dennoch haben wir mehrere komplexe Bedrohungsszenarien, auf die wir uns einstellen müssen.

An unserer Seite ist dabei eine sehr starke Protagonistin, die schon früh erkennen musste, dass sie sich nur auf ihre Schwester verlassen kann und ihre Eltern kein sicherer Hafen sind. Harlow arrangiert sich mit allem und stimmte auch nur in die neue Verheiratung ein, in dem Wissen, dass ihr Kuss die Ehe schnell wieder beenden wird. Danach sollte sie von ihren Eltern endlich frei sein und Lunameade mit ihrer Schwester verlassen können. Leider hatte sie da die Rechnung ohne Henry gemacht. Zwischen den beiden knistert es sehr schnell, denn auch aus Hass entsteht Leidenschaft. Henry hat seine ganz eigene Rechnung mit Harlows Familie offen. Die Geschichte wird aus der Perspektive von beiden erzählt. Wir stecken also immer in ihren Köpfen und wissen was los ist. Daher gab es kaum Geheimnisse, die mich hätten überraschen können. Beide zusammen sind unglaublich unterhaltsam. Harlow ist extrem witzig und Henry unterliegt einfach ihrem Charisma. Die Schlagabtäusche sind goldwert. Es knistert heftig zwischen beiden. So richtig, richtig spicy wird es aber erst nach 400 Seiten, die extrem kurzweilig waren. Danach kommen mehr Spice-Szenen vor, die sehr verdorben waren. Die Autorin traute sich hier über einige Hürden zu springen und das gefiel mir gut. Es ist düster, weil die Welt und Harlow auch sehr düster sind. Gleichzeitig haben wir mit Henry einen Protagonisten, der trotz seiner Intensionen ein Guter ist und Harlow sein lässt, wie sie ist. Beide zusammen machten für mich das Highlight des Buches aus.

Die Handlung war für mich nämlich nicht so episch, wie ich es erwartet hatte. Die Geschichte ist ein Standalone, was wirklich erfrischend ist. Es endet also nicht mit einem Cliffhanger und wir werden auf 900 Seiten mit allem versorgt. Inhaltlich hätte die Geschichte aber auch auf 600 Seiten auserzählt sein können. Für mich hatte die Autorin kaum überraschende Enthüllungen im Gepäck. Das Buch endete wie erwartet und die Bedrohungen, welche von Anfang an präsent waren, wurden am Ende ohne großen Spannungsbogen beseitigt bzw. offenbahrt. Da habe ich schon Romantasy mit weniger Umfang gelesen, in der mehr passiert ist. Trotzdem wurde ich danke Harlow und Henry gut unterhalten, doch während des Lesens erwartete ich mehr Spannung, die einfach ausblieb.

Die Geschichte hat ein paar wenige interessante Figuren, wie Harlows Bruder Kellan und auch ihre Schwester, die ein ganz eigenes Buch hätten füllen können. Ich frage mich also, ob die Autorin vielleicht in einem Spin-Off erneut in die Welt zurückkehren wird.

Was mich während des Lesens wirklich ärgerte, war die Fülle an Satzbaufehlern. Da waren Wörter zu finden, die definitiv nicht in den Satz gehörten und das häufte sich immer mehr. Wurde die Übersetzung überhaupt korrigiert?

Sheila Mastersons „The Poison Daughter“ wird mir aufgrund ihrer Figuren noch lange im Gedächtnis sein. Sie zu begleiten hat schon Spaß gemacht, allerdings hatte ich mir von der Handlung schon mehr versprochen!

4/5

Sonntag, 30. August 2026

Kinderbuch | Der Mond im Meer von Sandra Dieckmann

Dank Vorablesen zog dieses wunderschöne Kinderbuch bei mir ein. Vorlesen ist bei uns abends ein geliebtes „Pflichtprogramm“ über neuen Lesestoff und mehr Abwechslung freue ich mich wahrscheinlich mehr als die Kids.


Die Maus lebt allein in einem knorrigen alten Baum am Meer. Sie führt ein ruhiges Leben und erzählt jede Nacht ihrem Freund dem Mond von ihren Träumen. Doch dieser antwortet nie. Maus ist traurig und enttäuscht und schleudert einen Stein nach ihm, der den Mond ins Meer befördert.

Die Geschichte ist unglaublich fantasievoll. Eine Maus, die den Mond mit einem kleinen Stein vom Himmel holt, so etwas gibt es wohl nur in Kinderbüchern. Zum Glück… Was dann passiert ist unglaublich bildgewaltig erzählt. Tiere aus dem Wald, dem Meer und der Luft kommen hervor und wundern sich, was mit ihrem Freund dem Mond passiert ist. Gemeinsam versuchen sie ihn wieder an den Himmel zu bringen. Die kleine Maus muss erkennen, dass sie doch nicht so allein ist, dass der Mond nicht ihr allein gehörte und dass man alles schaffen kann, wenn man nur zusammen hält.

Mich konnte die Idee der Geschichte total begeistern. Sie ist so abstrakt und fantasievoll, dass sie Vorstellungen sprengt. Gleichzeitig wird die Geschichte so bildgewaltig untermalt. Die Illustrationen sind von der Autorin selbst mit tiefen, kräftigen Farben und einer liebe fürs Detail gezeichnet. Die Geschichte zu entdecken macht so viel Spaß und auch die Jungs lauschten ganz ruhig und hatten einiges auf den Seiten mit ihren Augen zu entdecken.

„Der Mond im Meer“ von Sandra Dieckmann ist ein unglaublich tolles Kinderbuch, welches zeigt, dass Willen manchmal Berge bzw. Monde versetzen kann.

5/5

Dienstag, 18. August 2026

Abbruch | Red Star Rebels von Amie Kaufman



Wir schreiben das Jahr 2067 und befinden uns auf dem Mars. Durch die Evakuierung der UN-Station auf dem Mars bleiben versehentlich die illegale Siedlerin Cleo und Unternehmenserbe Hunter zurück. Doch dann tauchen einige Piraten auf und haben Bomben im Gepäck. Um zu überleben, müssen Hunter und Cleos zusammenhalten, dabei könnten die Gegensätze zwischen Ihnen nicht größer sein.

Nach der diesjährigen Mondmission war ich empfänglich für ein Weltraumabenteuer, wobei Sciene Fiction nicht gerade mein Genre ist. Doch der Klappentext klang echt gut und daher wollte ich der Geschichte eine Chance geben. Um dann etwas tun zu müssen, was ich so selten mache: Ein Hörbuch abbrechen.

Der Einstieg in die Geschichte erfolgt ohne Umschweife, wir landen mit Hunter auf dem Mars. Seiner Familie gehört ein Unternehmen, welches für die Besiedlung des Mars verantwortlich ist. Ihm steht dort also alles offen. Cleo hingegen muss möglichst unentdeckt bleiben, denn sie dürfte sich gar nicht auf dem roten Planeten aufhalten. Die Geschichte wird aus beiden Perspektiven erzählt, wobei Hunter glaubt, das Cleo eine Mitarbeiterin auf der Station ist. Sie weiß allerdings, wen sie da vor sich hat. Was mich seht störte und im Gesamtkontext der Geschichte total irritierte: Es herrscht eine enorme Insta-Lust. Beide stellen in den unmöglichsten Situationen fest, wie gutaussehend oder heiß der andere doch ist. Leute, ihr müsst gegen eine Bedrohung ankämpfen, die Wahrscheinlichkeit, dass ihr dies nicht überleben werdet, ist verdammt hoch! Was macht ihr da also?! Und dies passiert wirklich sofort, innerhalb der ersten eins, zwei Stunden werden Händchen gehalten und krasse Deeptalks ausgepackt. Die Geschichte hatte mich da einfach verloren. Dabei hätte es doch so rasant und spannend sein sollen, doch ich verlor den Fokus von der Geschichte, weil es mich wirklich nicht fesseln konnte, welche Kindheitstraumata beide aufarbeiten müssen, während im Hintergrund eine Bombe tickt. Nach 50% zog ich dann die Reißleine und investierte meine Zeit lieber in ein anderes Hörbuch.

Dabei hätte die Geschichte wirklich eine kurzweilige Angelegenheit sein sollen. Das Hörbuch hat gerade mal 7h und wurde von Aileen Wrozyna und Tim Gössler eingelesen. Beide machten einen soliden Job.

Trotzdem war Amie Kaufmans „Red Star Rebels“ für mich ein Flop und einer der wenigen Hörbuchabbrüche bisher.

1/5

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