Sonntag, 28. November 2021

Flop | Ein Lord zwischen Spiel und Liebe von Katherine Collins

 Ich habe das Wort "Flop" schon länger nicht mehr als Überschrift in einer Rezension gebraucht, doch hier war es zu 100% verdient! 


Molly hat nach dem Tod ihres Mannes ein Bordell von ihm geerbt. Um finanziell nicht den Bach herunterzugehen, muss sie es betreiben. Als Madame Noir empfängt sie dort maskiert die Gäste. Als Lord Everham zum Stammgast bei ihr wird, läuft Molly Gefahr, dass er ihre wahre Identität aufdecken wird und das muss sie unbedingt vermeiden.

Mich sprach das Cover sofort an und mir gefiel auch die Thematik. Molly als Dame aus gutem Haus muss sich nach dem Tod ihres Mannes plötzlich mit einem zwielichtigen, horizontalen Gewerbe auseinander setzen. Das waren interessante und ungewöhnliche Voraussetzungen für einen Historical. 

Als ich allerdings die Protagonisten kennenlernt, überlegte ich mir schnell, ob ich das Buch wirklich weiterlesen sollte. Im Nachhinein hätte ich das Buch wirklich abbrechen sollen. Doch ich hatte die Hoffnung, dass die Autorin sich für ihre Figuren noch eine überraschende Wendung überlegt, wie Mord, Totschlag, Flucht...

Denn was hier dargestellt wird, ist eine hochgradig toxische Beziehung. Jetzt werden Spoiler folgen, aber wenn du diese Rezension gelesen hast, wirst du die Geschichte eh nicht mehr lesen wollen! Everham ist komplett besessen von Madame Noir. Er stellt ihr nach und belagert sie, bis er ihr Geheimnis erfahren hat. Er muss wissen, wer sie ist, um sie dann besitzen und kontrollieren zu können. Dass sie in einem Bordell arbeitet, scheint er als Freifahrtschein zu sehen. Dabei ist es keine Liebe auf den ersten Blick, denn er nimmt auch die Dienste von anderen Damen in Anspruch. Nicht gerade das, was ich von dem Helden eines Liebesromans lesen will. 
Als er weiß, dass Molly hinter Madame Noir steckt, erpresst er sie mit der Zukunft ihrer Tochter, damit sie ihm zu Willen ist. Er drängt sich ihr auf, schläft mit ihr mehrfach. Und nur weil die Autorin nicht von einer Vergewaltigung spricht, ändert das nichts an der Tatsache, dass hier in diesem Buch Sex dargestellt wird, der nicht einvernehmlich ist! 

Mein Hoffnung war, dass die hilflose Molly es schafft auszubrechen, dass sie anfangen würde sich zu wehren, oder einfach aktiv wird. Dass sie Everham töten würde oder sich selbst. Ein geplanter Suizid kommt auch in der Geschichte vor, doch Molly wird gerettet und direkt wieder in Everhams Fänge befördert. Das Schlimme daran ist, dass sie einmal zum Orgasmus gebracht, sich in Everham verliebt und so endet die Geschichte mit einem absolut fragwürdigen und fürchterlichen Happy End. Was mich auch entsetzt zurücklässt. Wie kann man so eine Art toxische Beziehung (das toppt Shades of Grey und Twilight um Meilen!) so sehr romantisieren? Wie kann man solche Geschichten ungefiltert herausbringen und als Liebesroman verkaufen? Ich verstehe das wirklich nicht!

"Ein Lord zwischen Spiel und Liebe" ist ein äußerst fragwürdiger Historical von Katherine Collins in dem eine toxische Beziehung romantisiert wurde und nicht einvernehmlicher Sex zwischen die Protagonisten an der Tagesordnung stand. Selten habe ich so eine fürchterliche Geschichte gelesen, hätte ich bloß abgebrochen, doch meine Hoffnung auf eine Protagonistin, die all dem ausbricht, war zu groß.

1/5

Sonntag, 21. November 2021

Lovelybooksleserpreis 2021 | Meine Stimmen

 Es ist November und das heißt, es ist Zeit für den Lovelybooksleserpreis und ich könnte nicht euphorischer darüber sein, denn ich liebe es, für meine liebsten Bücher des Jahres abzustimmen. 



Wie in den letzten Jahren auch hebe ich auf meinem Blog das Wahlgeheimnis auf und zeige euch, für welche Bücher ich in den jeweiligen Kategorien abgestimmt habe.
Die Abstimmungen laufen noch bis Dienstag um Mitternacht, also wenn ihr noch nicht abgestimmt habt, schaut schnell auf der Seite des Leserpreises vorbei.
Aber schauen wir uns doch mal meine Favoriten für den Lovelybooksleserpreis 2021 an.



Freitag, 19. November 2021

Hörbuchrezension | Merdyns magische Missgeschicke von Simon Farnaby

 Auf Netgalley hatten sie ein Hörbuch, welches ich unbedingt hören musste, denn Inhalt und Sprecher sollten eine unwiderstehliche Kombination für mich bilden.


Rosie ist nicht beliebt, sonderlich hübsch oder talentiert. Doch sie will eine große Sängerin werden. Blöd nur, dass das bei der großen Talentshow in der Schule mächtig nach hinten los geht. In ihrer traurigsten Stunde begegnet ihr Merdyn der Mächtige, seines Zeichens böser Hexenmeister aus dem frühen Mittelalter. Rosie soll ihm helfen, sich in der modernen Welt zurecht zu finden, im Austausch eines Sangessaubers, der ihr eine engelsgleiche Stimme verpassen soll. Ob das gut geht?

Der Originalklappentext vom Verlag ist wahnsinnig witzig und hatte mich damals auf das Buch aufmerksam gemacht. Daher wollte ich die Geschichte auch lesen, als ich sie dann als Hörbuch entdeckte, stand fest: die muss ich hören! Denn Jürgen von der Lippe liest die über 8h ein und die Wahl des Sprechers hätte nicht besser sein können. Ich kenne und schätze Jürgen von der Lippe aufgrund seiner vergangenen Fernsehpräsenz und konnte mich hier wieder seiner Stimmgewalt und des Talents der Imitation erfreuen. Es gab Stellen in der Geschichte, da sang oder rappte er sogar. Besonders toll fand ich auch, dass man ein Schmunzeln in seiner Stimme hörte und er bei einer besonders witzigen Stelle auch auflachte. Das war authentisch, toll und hat den großartigen Humor der Geschichte unterstrichen.

Der Inhalt kann sich auch sehen lassen! Rosie ist ein liebenswertes Mädchen mit einem traurigen Leben und einen ganz großen Traum. Sie will nach einem schlechten Tagen gerade mit ihrem Meerschweinchen Pupsie reißausnehmen als Merdyn aus dem Mittelalter in die Gegenwart kommt. Der größte Hexenmeister aller Zeiten hat Hunger und will direkt Rosies köttelndes Meerschweinchen braten. Kein guter Start in diese ungewöhnliche Freundschaft. Doch diese soll noch wachsen, denn Rosie erklärt Merdyn die moderne Welt. Dabei erleben sie einige Abenteuer und komische Situationen, denn Merdyn findet sich nicht so gut in der Neuzeit zurecht und eckt mit seinen magischen Tricks mächtig an.

Simon Farnaby hat einen unglaublich tollen und einzigartigen Erzählstil, der die Geschichte für Jung und Alt gleichermaßen unterhaltsam macht. Es machte mir so viel Spaß der Handlung zu lauschen und es gibt mit einem zweiten Teil zum Glück mehr davon! Die Geschichte ist mit diesem Buch allerdings auch schon in sich geschlossen, dass es Nachschub geben wird, war daher für mich eine schöne Überraschung. Ich hoffe es wird auch dann eine Hörbuchproduktion mit Jürgen von der Lippe geben.

"Merdyns magische Missgeschicke" ist eine super witzige Komödie von Simon Farnaby, die die Geschichte von Merdyn dem Mächtigen erzählt, der aus dem Mittelalter kommend auf die untalentierte aber süße Rosie trifft. Gemeinsam machen sie ihr Leben ein wenig bunter, schöner, aber auch wahnsinnig komplizierter. Ich habe jede Minute des Hörbuchs mit Jürgen von der Lippe geliebt! 

5/5

Donnerstag, 11. November 2021

Buchtipp | Versehentlich verliebt in den Duke von Stacy Reid

Ich liebe die Historicals des dp-Verlags! Fast wöchentlich kommen hier neue Titel heraus und mein Hunger nach neuen Regencyromanen ist noch lange nicht gestillt. So bin ich auch auf diesen Titel aufmerksam geworden.


Adeline soll mit einem adeligen Schmierlappen verheiratet werden, dabei möchte sie nur den mittellosen Mr. Atwood heiraten. Doch ihr Vater ist gegen so eine Ehe. Adeline hat allerdings einen Plan, sie möchte sich kompromittieren, in dem sie sich während einer Wochenendgesellschaft in das Zimmer ihres Auserwählten schleicht und erwischt werden soll. Blöd nur, dass sie sich in der Tür irrt und im Bett des als verrückt verschrienen, aber höllisch attraktiven Dukes landet.

Was mir an dieser Geschichte sofort positiv ins Auge fiel, war, dass wir hier eine Heldin haben, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt und aktiv wird, um etwas zu ändern. Adeline ist gewieft und versucht mit allen Mitteln einer lieblosen Ehe zu entgehen. Sie glaubt an eine Liebesehe, denn ihre Eltern führten diese bis zum Tod ihrer Mutter auch. Adeline ist gleichzeitig allerdings auch etwas naiv und arglos, denn sie war felsenfest davon überzeugt, dass ihr Plan aufgehen würde und denkt nicht mal an ein Scheitern.

Zum Glück ist sie da an den richtigen falschen Mann geraten. Edmond braucht nämlich eine neue Ehefrau, die seinen beiden Töchtern eine gute Mutter sein kann. Sich verlieben oder körperliche Intimität zulassen, will er auf keinen Fall. Seine erste Frau, die er sehr liebte, starb im Kindbett und er gibt sich die Schuld dafür. 

Allerdings hatte Edmond nicht damit gerechnet, dass sich die leidenschaftliche Adeline in sein Bett schleichen würde und dass direkt die Funken sprühen würden. Die Chemie stimmte zwischen den Figuren und das war toll mitzuerleben. Ihre Geschichte hatte mich dahingehend wirklich gepackt. 

Die Handlung war zwar sehr vorhersehbar, dennoch packend. Gegen Ende hin löste sich der ganze Konflikt allerdings zu einfach in Luft aus. An sich gab es nicht zu viel Drama, was etwas Gutes haben kann, allerdings habe ich schon deutlich komplexere Romane in dem Genre gelesen.

"Versehentlich verliebt in den Duke" von Stacy Reid ist die Geschichte einer Heldin, die sich ihrem Schicksal nicht ergeben will und dafür in fremde Betten steigt. Die Handlung war wirklich kurzweilig, allerdings nicht von großen Hindernissen geprägt.

4/5

Dienstag, 9. November 2021

Buchtipp | Der Tod und das dunkle Meer von Stuart Turton

Nachdem das Debüt des Autors (Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle) 2019 eines meiner Jahreshighlights war, freute ich mich riesig darüber, dass ich seinen neuesten Roman bei Vorablesen gewonnen hatte.


Gerade noch hat Samuel Pipps einen verlorenen Schatz in der Kolonie Batavia wiedergefunden, da tritt er auch schon als Gefangener seine Rückreise nach Amsterdam an. Zu seinem Schutz tritt sein Freund Arent Hayes die Schiffsreise mit ihm an. Doch auf der Sardaam herrscht ein Dämon und nimmt einem Menschen nach dem nächsten das Leben. Um hinter dessen Identität zu gelangen und die Geheimnisse der weiteren Insassen zu ergründen, muss Arent Augen und Ohren für Sammy offen halten, damit sie den wohl schwersten Fall ihrer Ermittlerlaufbahn lösen können.

Was mir sofort auffiel als ich das Buch in den Händen hielt, war, dass der Tropen-Verlag noch nicht von der Unart abgewichen ist, den Barcode auf dem Cover abzudrucken...

Stuart Turton entführt uns im Inneren des Buches in die weit entfernte, indonesische Kolonie Batavia. Dort haben unsere Protagonisten Arent und Sammy die Phantasterei, einen kostbaren Gegenstand, auffindbar gemacht. Doch anstatt einer Belohnung gibt es die Gefangenschaft für Samuel, der ein legendärer Ermittler seiner Zeit ist. Die Geschichte spielt im 17. Jahrhundert, allerdings erhebt der Autorin keinen 100%igen Anspruch auf historische Authentizität, wie er in seinem Nachwort sehr sympathisch erklärte. Das brauchte er für mich auch nicht, denn mit seinem Schreibstil schaffte er es erneut mich in seine Geschichte hineinzuziehen. Das Setting ist wirklich ungewöhnlich, denn wir befinden uns auf einem riesigen Schiff, welches die beschwerliche Passage nach Europa antreten soll. Dabei stehen die Chance nicht bei 100%, ob sie es tatsächlich schaffen werden. Überleben wird auf jeden Fall nicht jeder das Unterfangen. Die Mannschaft besteht aus gefährlichen Männern, das Machtverhältnis droht jeden Moment zu kippen, die Sardaam ist dem Meer ausgeliefert und außerdem treibt da auch noch ein Dämon sein Unwesen.

All das ergibt eine sehr atmosphärische und düstere Kombination, die mit interessanten Figuren gespickt ist, von denen die meisten undurchschaubare Geheimnisse haben. Zum Glück gab es vorn im Buch ein Figurenverzeichnis, welches mir am Anfang half alle Charaktere ihren Funktionen zuordnen zu können. Keiner von ihnen war nur schwarz oder weiß. Jede Figur hat ein Päckchen zu tragen und dieses entpackt Stuart Turton nach und nach auf den 600 Seiten. 

Ich muss sagen, dass ich recht lange an der Geschichte las und auch längere Pausen hatte, dennoch hatte ich nie das Problem mich aufs neue in die Geschichte hineinzufinden, was ein großer Pluspunkt war. Auf den letzten 150 Seiten entfaltete die Handlung noch einmal ihre ganz eigene Sogwirkung. Die Ereignisse überschlagen sich und ich wurde von dem Wissen angetrieben, dass die Auflösung bald erfolgen müsste und da wusste ich, dass sich Stuart Turton sicher wieder etwas Unvorhersehbares überlegt haben sollte.

Ich muss allerdings auch sagen, dass mich diese nicht so umgehauen hat, wie bei seinem Debütroman. Einen Teil hatte ich bereits erahnt, weil diese Figur trotz ihres Status bis dato zu wenig Beachtung fand. Da musste also noch etwas kommen.

Dafür konnte der Autor mit seiner super sympathischen und kuriosen Danksagung noch einmal komplett bei mir punkten und ich bin ganz gespannt, welche geniale Geschichte er sich als nächstes ausdenken wird.

"Der Tod und das dunkle Meer" ist der nächste Geniestreich von Stuart Turton, der uns dieses Mal mit auf eine gefährliche Schiffsreise nimmt. Das ganze hat er so atmosphärisch und mysteriös verpackt, dass mich die Geschichte auf all ihren 600 Seiten packen konnte. Einzig die Auflösung ließ mich dieses Mal das große Überraschungsfeuerwerk vermissen.

4,5/5

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