Hannah glaubt nicht an die Liebe und schafft es nicht ohne Zynismus einen Liebesfilm mit ihrer besten Freundin zu schauen. Als es für sie finanziell ziemlich schlecht bestellt ist, tut sie das Undenkbare und zieht mit Oscar zusammen, den sie seit kurzem datet. Oscar, der eine vernünftige Wahl zu sein scheint, der aber auch total besessen von seiner Mutter ist. Hannah muss also bald für sich erkennen, was Liebe und Beziehungen für sie bedeutet.
Das Buch wäre eigentlich komplett von meinem Radar verschwunden, wenn es nicht mit „Bridget Jones für eine neue Generation“ beworben worden wäre. Ich liebe Bridget Jones und war demnach gespannt, was dieses Versprechen tatsächlich kann.
Wir lernen Hannahs Lebensumstände kennen. Sie hat einen Job im Museum, dem allerdings die Gelder gekürzt werden sollen. Hannah sieht sich schon ihre Wohnung nicht mehr halten können. Zu ihrer verbitterten Mutter zurückzuziehen ist dabei definitiv auch keine Option. Hannah hat in ihrem Umfeld hauptsächlich Negativbeispiele um sich herum, was romantische Beziehungen anbelangt. Daher kann ihre beste Freundin nicht nachvollziehen, warum Hannah mit Oscar von London nach Edinburgh zieht. Wir stecken mitten in Hannahs Kopf und wissen, was sie antreibt. Das machte sie für mich sehr nahbar, da ich ihre Motivation hinter ihren Entscheidungen besser verstehen konnte.
Überhaupt hat die Autorin ihre Figuren sehr gut ausgearbeitet. Mit Kiera bekommen wir eine beste Freundin, die für Hannah da ist, aber definitiv auch hinterfragt, was da gerade vor sich geht. Die Geschichte ist tatsächlich eher über Freundschaft und Zwischenmenschliches als über Liebe. So bekommt Hannahs Mutter auch einen großen Part eingeräumt. Die Handlung bekommt ernste Aspekte hinzu, ohne hinunterzuziehen. Sie ist ganz oft nicht angenehm zu verfolgen, dafür aber sehr real, als würde man das Leben einer Freundin beobachten. So muss Hannah einfach selbst erkennen, was sie in ihrem Leben will und das der einfachste Weg nicht immer der Beste ist.
Dann blitzen immer wieder witzige Momente durch, die mich beim Hören auflachen ließen. Trotz dessen das Buch nicht in meinen bevorzugten Genres angesiedelt ist, hat es mir wirklich Spaß gemacht und das hatte ich nicht unbedingt erwartet.
Das Hörbuch umfasste 8,5h und wurde von Lena Tiemann eingelesen, die einen sehr guten Job macht und den Figuren Leben einhauchte.
„Love and Rent“ von Jo Cheetham erzählt witzig und ernst Hannahs Geschichte, sich im Beziehungschaos der Gegenwart durchzufinden. Das hat mir überrascht gut gefallen.
4/5




