Eigentlich wollte Dwight nach seinem letzten Undercovereinsatz nur in den verdienten Urlaub fliegen, doch sein Boss macht ihm einen Strich durch die Rechnung als er ihn auf das neue italienische Restaurant der Familie Villa ansetzt. Diese sollen in der New Yorker Mafia mitorganisiert sein und nun hochgenommen werden. Um belastende Informationen zu sammeln soll Dwight sich an die Tochter Julia heranmachen, doch die ist ganz immun gegen die Spannungen zwischen ihnen. Blöderweise ist Dwight dies ganz und gar nicht…
„Courting“ von Felicia Kingsley war im letzten Jahr eines meiner absoluten Highlights. Ihren neuen Roman konnte ich da einfach nicht abwarten. Das Setting ist dieses Mal ein ganz anderes, denn wir haben es auch (leider) nicht mehr mit Zeitreisen zu tun. Wir stecken dieses Mal mitten in New York, es ist laut, voll und Sommer. Die Autorin hat es ziemlich gut geschafft, mir das geschäftige Setting der Großstadt rüberzubringen. Die Geschichte war dadurch sehr lebendig.
Dwight ist Agent beim FBI und für den nächsten Undercovereinsatz der beste Mann, denn er spricht italienisch und kann kochen. Also wird er zu Romeo und bewirbt sich um eine Stelle im neuen Restaurant der Zielfamilie. Wir erfahren die Geschichte auch aus seiner Perspektive und ich empfand ihn als sehr angenehmen Protagonisten. Er ist sehr selbstreflektiert und merkt einfach auch sofort, als die Grenzen zwischen Professionalität und privaten Interessen verschwimmen. Er versucht dagegen anzukommen, doch irgendwann steckt Romeo einfach zu tief drin. Er ist für Julia da und zeigt sich auch unter seinen Kollegen von seiner zuvorkommensten Seite. Er leidet zusehends darunter, dass er allen für seinen wahren Job etwas vormacht und sie ans Messer liefern muss. Romeo ist einfach ein Guter!
Julia hat es definitiv nicht leicht und musste einige Ungerechtigkeiten in ihrem Leben erfahren. Sie hat eine Krankheit, wegen der sie einen Stomabeutel tragen muss. Ihr Vater will sie daher am liebsten in Watte packen und traut ihr im Restaurant nur die harmloseren Aufgaben zu. Dabei will Julia nur kochen und in der Küche Meisterwerke zaubern. In Romeo sieht sie einen Konkurrenten. In der Küche ist er nämlich mindestens genauso gut wie sie und das kommt zu einigen Reibungspunkten. Beide Charaktere waren sehr gut ausgearbeitet. Julia ist sehr tough und lässt uns erst nach und nach hinter ihre harte Schale schauen.
Zwischen beiden ist die Hitze schon am Brodeln, irgendwann, allerdings haben wir es hier mit einem absoluten Slow Burn zu tun. Das Buch hat über 550 Seiten und erst nach über der Hälfte kommen Romeo und Julia sich etwas näher. Die Autorin spannt uns da ganz schön auf die Folter und ich muss sagen, dass in der ersten Hälfte auch einige Längen vorkamen. Dafür war dann das letzte Drittel des Buches umso packender und emotionaler. Ich musste sogar bei einer Szene anfangen zu weinen, die gar nichts mit dem Hauptplot zu tun hatte, aber einfach zeigt, wie doof das Leben manchmal enden kann (Gespräch im Krankenhaus). Zum Ende hin vergeht einiges an erzählter Zeit, was der Figurenentwicklung gut tat. Die Autorin hat es einfach drauf und das hat sie auch hier wieder bewiesen. Wären die Längen in der ersten Hälfte nicht gewesen, wäre „The Heat is on“ ein 5 Sterne Buch gewesen.
Das Hörbuch umfasst 15,5h und wurde von Max Rauch und Sandra Voss eingelesen, die beide einen soliden Job machen, um den Figuren Leben einzuhauchen.
Ich bin auf jeden Fall gespannt, was als nächstes von der Autorin erscheinen wird, im Sommer sollte es so weit sein und kann bis dahin „The Heat is on“ weiterempfehlen, denn hier hat man sehr komplexe Figuren, die ihre Themen haben und authentisch zusammenwachsen. Das ganze vor einem lebendigen New Yorker Setting und spannender Mafia-/FBI-Thematik.
4/5




