Nach all den spicelosen Geschichten der letzten Wochen wollte ich eine Geschichte hören, die davon reichlich haben sollte. Das Hörbuch subbte schon ein Weilchen bei mir und schien dafür der perfekte Kandidat zu sein.
Als Aurora des nachts in eine verlassene Kirche einsteigt und sich im Beichtstuhl versteckt, erfährt sie die übelsten Geheimnisse eines Fremden. Ihre Begegnung endet verstörend, heiß und brutal. Ein paar Wochen später sitzt Aurora diesem Fremden bei einem Bewerbungsgespräch gegenüber und hofft unerkannt zu bleiben. Ayden ist der Boss des Nachtclubs Red Poison und hat etwas andere Wertevorstellungen und Ansichten, was man seine Angestellten zumuten darf…
Ich habe schon ein paar Bücher von Sarah Stankewitz gelesen und die waren mit wenigen Ausnahmen echt gut. Ich war gespannt auf diesen Ausflug in das Dark Romance Genre, denn das kommt bei mir auch nicht so oft vor. Ich zweifelte tatsächlich auch schon beim ersten Aufeinandertreffen von Ayden und Aurora daran, ob das eine gute Entscheidung war. Für mich war die Szene echt abstoßend und leicht verstörend. Ich gab den beiden dennoch eine Chance und hörte weiter.
Aurora lebt in beschissenen Verhältnissen. Ihre Mutter ist ein Junky und vernachlässigt dazu auch noch ihre beiden Kinder. Aurora kümmert sich um ihren kleinen Bruder und verdient das Geld für ihr Überleben. Auroras Situation hat mich wütend gemacht. Da wunderte es nicht, wie viel sie hinnehmen konnte, ohne schockiert zu sein. Aurora ist tough und schon recht kaputt, wenn man erfährt was sie anmacht und wie hörig sie ihrem Boss wurde.
Ayden ist der klassische Protagonist. Echt fies, gutaussehend, brutal und dauerhart. Nach und nach entpuppt sich, aus welchen Motiven er handelt und die Autorin schaffte es erstaunlicherweise somit seine Taten zu relativieren.
Es gibt eine präsente Handlung, die auch für Spannung sorgte. Die Spiceszenen fügten sich darin ein, ohne die Handlung zu dominieren. Auch wenn alles ein wenig too much war.
Das Hörbuch umfasst nicht ganz 10h und wurde von Larissa List und Sebastian Seidel eingesprochen. Ich denke, beide SprecherInnen waren neu für mich. Teilweise fand ich die Auswahl nicht ganz passend. Auroras Part klang mir zu reif für eine 21-Jährige. Die Stimme hätte auch super für Charaktere in einem Cosycrime Roman aus der Seniorenresidenz gepasst. Auch der Kinderpart klang strange. Das hat mir tatsächlich nicht so gut gefallen.
„My Evil Boss“ von Sarah Stankewitz ist moralisch höchstfragwürdig. Es hat mich trotz der Schwächen abgeholt und recht gut unterhalten. Das Genre wird trotzdem kein Dauerbrenner bei mir werden.
4/5




