Mittwoch, 4. Januar 2017

Verschenktes Potenzial | Für immer ein Teil von mir von Michelle Andreani und Mindi Scott

Auf Lovelybooks hatte ich das Glück an meiner ersten Leserunde in diesem Jahr teilzunehmen. Mir ist "Für immer ein Teil von mir" bereits in der Vorschau von Harper Collins aufgefallen. Das Cover ist auch einfach ein Traum. Ich war gespannt, ob mich die ergreifende Geschichte auch so in ihren Bann ziehen würde.

Kyle und Cloudy trauern um Ashlyn. Sie verlor ihre beste Freundin, er seine erste Freundin. Nur können Cloudy und Kyle nicht zusammen trauern, etwas dass vor ein paar Monaten geschah, hindert sie daran. Als Cloudy beschließt die drei Menschen aufzusuchen, welche dank Ashlyns Organspenden gerettet werden konnten, begleitet Kyle sie kurzerhand. Im Gepäck haben beide eine ganz besondere Katze.

Es ist seit langem mein erstes Buch, welches sich aktiv mit Tod und Trauer auseinandersetzt. Ich war auf viele emotionale Momente eingestellt und freute mich auf die Geschichte, leider ist "ergreifend" nicht das Wort mit dem ich dieses Debüt der Autorinnen beschreiben würde.

Der Einstieg in die Geschichte verläuft wahnsinnig schleppend. Es werden vermehrt Rückblenden eingestreut, die für die Geschichte natürlich wichtig sind. Wir erfahren viel über Ashlyn. Sie war ein herzengutes Mädchen und beliebt. Sie war nicht falsch oder hinterhältig, sondern einfach nur ein toller Mensch, der zu früh auf sinnlose Weise starb. So wurde auch viel von gemeinsamen Erlebnissen der Protagonisten mit Ashlyn gesprochen. Aber auch immer wieder Andeutungen hinterlassen, was zwischen Kyle und Cloudy vorfiel.
Das war im Endeffekt so banal, dass es die Dramatisierung im Klappentext nicht brauchte. Hier wurde einfach unnötig etwas aufgebauscht und in die Länge gezogen. Beim Lesen wird einfach vorher schon schnell klar, dass Kyle und Cloudy auch etwas füreinander übrig hatten und genauso gut hätten zusammen kommen können. 

So ist die Stimmung zwischen beiden sehr gedrückt, als sie sich auf ihren Roadtrip zu den drei Organempfängern machen. 
An dieser Stelle habe ich von der Handlung so viel mehr erwartet! Ethan bekam ein Teil von Ashlyns Leber. Sie schauen sich ein Theaterstück des Jungen an und winken ihm anschließend auf dem Parkplatz zu. Mehr nicht. Auch beim zweiten Empfänger klingeln sie unter einem Vorwand an seiner Haustür und sind nach einem kurzen Gespräch verschwunden. In den Zwischentönen wird klar, was die Spende den Betroffenen bedeutet, doch hier geht viel emotionales Potenzial verloren, indem die Situationen einfach nicht genutzt worden sind.

Einzig bei der letzten Empfängerin, die wir auf ihrer Hochzeit kennenlernen, gestaltet sich dieses Treffen als würdig und schön. Aber auch bei der Beschreibung, dass in ihrer Brust Ashlyns Herz schlägt und Cloudy dies fühlen kann, passiert in mir nichts.
Die Autorinnen haben an diesem Teil des Buches das Augenmerk auf ein anderes Drama gelegt und sich für mich nicht auf das Wichtige fokusiert. 
Das, was das Buch ausmachen sollte, nämlich Trauer, Abschied und die Empfänger, welche ein neues Leben durch Ashlyns Tod bekamen, rücken in den Hintergrund.

So konnte ich einfach nicht mitfiebern und mitleiden. Der Klappentext wird dem Buch einfach nicht gerecht. 
Die ganze Roadtripgeschichte mit den Besuchen bei den unterschiedlichsten Freunden der Protagonisten fand ich sehr mühsam und langatmig.
Die angesprochene Katze ist auch so ein eigenartiger Punkt von dem ich nicht weiß, was ich davon halten soll, außer, dass sie sich total katzenuntypsisch verhält. 

"Für immer ein Teil von mir" fehlen einfach wichtige Dinge. Schade, dass sich die Autorinnen auf etwas konzentrierten, was für mich die Geschichte nicht ausmachte. Dabei fand ich die Charaktere toll. Zu lesen, wie Kyle und Cloudy wieder zueinander finden, war großartig. Dabei werden so kleine, leise Momente eingestreut, die das Buch wiederum schön machen.
Auch die Nebencharaktere Zoe und Matty haben mein Herz erobert. Doch irgendwie hätte ich mir für sie alle ein anderes Buch gewünscht.
3/5

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