Für Lexi und Zeke sollte diese Nacht nur ein One Night Stand auf einem Hausboot sein. Doch als dieses in der Nacht aufs offene Meer hinaustreibt, bekommen beide unfreiwillig eine Verlängerung. Das Hausboot ist in keinem fahrtüchtigen Zustand und so wird aus einem One Night Stand eine Survivalexperience der anderen Art…
Ich bin durch das wunderschöne Cover auf das Buch aufmerksam geworden. Es ist so romantisch und weckte in mir eine sommerliche Urlaubsstimmung. Außerdem fand ich den (originalen) Klappentext des Buches ansprechend, denn der versprach eine spicy RomCom mit ungewöhnlichem Setting. Bekommen sollte ich tatsächlich etwas anderes…
Lexi ist gerade an einem Scheidepunkt in ihrem Leben. Ihre beste Freundin, mit der sie zusammen wohnte und sich gemeinsam mit ihr um deren kleine Tochter kümmerte, hat einen neuen Freund und so muss Lexi ausziehen. Sie denkt das Hausboot ihrer Familie wäre eine gute Übergangslösung. An einem verzweifelten Abend lässt sie sich auf den Fremden in der Bar ein und nimmt ihn mit auf das Boot. Lexi ist Anfang 30 und weiß nicht, wohin der Weg nun für sie führen mag. Wir lernen sie in einem unzufriedenen Punkt in ihrem Leben kennen. Lexi ist ein Charakterkopf, der seine Macken hat. Das hatte sie aber auch sehr nahbar gemacht.
Zeke ist deutlich jünger als Lexi. Mit gerade mal Anfang 20 hatte er schon einige Sexualpartner und erkannte, dass sich etwas ändern musste. Nach Monaten der Abstinenz lässt er sich auf Lexi ein, weil er fasziniert von ihr war. Zeke ist liebenswert vertrottelt und ein starker Kontrast zu Lexi. Beide ergänzten sich sehr gut. Wir lernen sie am Morgen danach kennen. Dort beginnt die Geschichte und das üble Erwachen als beide feststellen, dass sie nicht mehr am Hafen anliegen, sondern im Meer herumtreiben und nicht wissen, wo sie sind.
Ich hatte mich auf eine klassische RomCom eingestellt mit viel Humor und vielen romantischen Momenten. Das war aber nicht der Plan der Autorin. Denn es gibt einige Verwirrungen um den rechtmäßigen Besitzer des Hausboots und Lexis Misstrauen, ob Zeke die Situation provoziert hat und sie nun ermorden möchte. Gleichzeitig erklärt Zeke, dass jegliche sexuelle oder vertraute Handlung nun tabuisiert sind und ich dachte mir beim Hören: „Leute, dafür bin ich nicht hier!“. Der Großteil der Geschichte dreht sich zunächst also um Survivalstrategien und dem Kennenlernen und Instandhalten des Hausboots. Das war für mich wirklich mühsam, denn ich hatte einfach etwas anderes erwartet.
Tatsächlich weiß ich nicht, wie realistisch dieses Szenario tatsächlich war. Beide haben nicht wirklich eine Ahnung von Booten und kennen sich auch mit der Technik nicht aus. Sie finden also nicht heraus, wo sie gerade sind und wie sie sich selbst aus der Situation herausbringen können. Soweit so gut, das hätte mir auch passieren können. Was mich nur wunderte, warum hat sie niemand gefunden? Fällt es keiner Küstenwache oder anderen Booten auf, dass ein Hausboot aus dem Hafen heraustrudelt und einfach nur vor sich hin treibt und kein Ziel zu verfolgen scheint? Die beiden sind zwei Wochen auf See verschollen, sehen kein Land und nur einmal ein Frachtschiff aus der Ferne. Das Hausboot treibt in der Nordsee herum und nicht mitten im Pazifik! Wie glaubwürdig war also dieses Szenario?! Dann stranden beide auf einer verlassenen Bohrinsel. Es wird gefährlich und düster. Irgendwie hat mir das schon den Spaß an der Geschichte genommen, weil Klappentext und Cover einfach etwas anderes versprachen. Das letzte Viertel des Buches konnte mich mehr abholen. Das Zwischenmenschliche rückt wieder mehr in der Vordergrund und versöhnte mich mehr mit dem Buch. Die Geschichte ist definitiv besonders aufgrund der Thematik und ich werde vielleicht auch noch öfter darüber nachdenken, doch eigentlich hatte ich mir etwas anderes versprochen.
Das Hörbuch wurde von Fynn Engelkes und Mona Fischer eingesprochen und läuft über 11h. Beide konnten die Figuren ganz gut zum Leben erwecken. Was mir beim männlichen Sprecher nicht so gut gefiel, er sprach die Nebenfiguren wirklich eigenartig, sodass diese wie lächerliche Karikaturen wirkten und das kann nicht im Sinne der Geschichte gewesen sein.
„Swept Away“ von Beth O’Leary verführte mich mit seinem wunderschönen Cover und versprach eine besondere Geschichte. Besonders war diese wirklich, doch anstatt Humor und Romantik bekam ich Verwirrung und Survival. Echt Schade!
3/5

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen