Cover und Titel dieses Buches machten mich neugierig. Der Klappentext klang brisant und ich wollte die Geschichte unbedingt erfahren, obwohl sie außerhalb meiner gewohnten Genres lag.
Waldo ist anders. Kaufsüchtig. Unsicher. Ungeliebt. Waldo ist 17. Schülerin. Clever. Sexpositiv. Waldo ist an ihrem Lehrer dran. Mr. Korgy unterrichtet kreatives Schreiben und Waldo ist seine begabteste Schülerin. Mr. Korgy ist verheiratet. Vater. 40. Nicht mehr so ein Hecht, wie er es früher einmal war. Bis er sich auf Waldo einlässt…
Was habe ich da nur gehört?! Tatsächlich war es eine Mischung aus Genie und Wahnsinn. Der Schreibstil des Romans ist sehr literarisch und steckt voller Metaphern und tiefschürfender Vergleiche, dass ich wirklich beeindruckt war und mich an die Literatur aus Oberstufe und Studium erinnert fühlte. Die Figuren sind unglaublich vielschichtig und doch voller Klischees. Man merkte der Autorin sehr ihr literarisches Können an.
Dann gibt es Szenen, die mich an Charlotte Roches „Feuchtgebiete“ erinnerten, die Idee dahinter scheint nun nach fast 20 Jahren in die USA übergeschwappt zu sein. Denn Jennette McCurdy möchte schocken und Tabus brechen. Hat keine Angst vor Ekel und Dingen, die besser unausgesprochen blieben. Immer wieder fragte ich mich beim Hören „Was zur Hölle war das gerade?“ Das war wirklich wild.
Die Geschichte erzählt ein kritisches Bild von der Gesellschaft. Waldo wuchs ohne Vater auf, mit einer Mutter, die immer nur für Männer funktionieren wollte, deren all ihre Bemühungen sich darum drehten, Männer zu halten. Ihre Tochter spielt in ihrem Leben nur eine Nebenrolle. Waldo adaptierte dieses Verhalten und scheint ihren eigenen Wert nur über die Anzahl ihrer Geschlechtspartner zu definieren. Das sind tatsächlich auch einige, bis sie eine perfide Faszination für ihren Lehrer entwickelt, die ich nicht unbedingt nachvollziehen konnte. Ich denke, Waldo wollte ihn nicht um seinetwegen, sondern weil er absolut tabu war und sie ihn trotzdem knacken konnte. So nimmt ihre Beziehung dann schließlich ihren sehr realistischen Laufen und dabei gab es für mich inhaltlich ein paar Schwachstellen, die nicht beleuchtet wurden. Auch das Ende fühlte ich an wie das Ende eines Kapitels und nicht des ganzen Romans. Das war ein wenig unrund und ein Ausblick in Waldos Zukunft hätte ihre Geschichte besser auserzählt. Vielleicht ist Waldo aber auch wie ihre Mutter und begeht die selben Fehler immer und immer wieder.
Das Hörbuch umfasst 7,5h und wurde von Paula Hans eingelesen, die eine sehr reif klingende Stimme für eine 17-Jährige hatte. Da Waldo die Erzählerin ist, war das für mich nicht optimal gewählt.
„Half his age“ von Jennette McCurdy erzählt auf schockierende und virtuose Art die tabubehaftete Beziehung von einem Lehrer mit seiner Schülerin. Ich wurde entsetzt und bestens unterhalten.
4/5

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen