Dienstag, 11. Juni 2013

"Unsterblich wie der Morgen" von Mina Hepsen

Was für ein Zusammenbruch!

 Ich fand es wirklich toll, als ich gelesen hatte, dass ein neuer Vampirroman von Mina Hepsen publiziert werden würde. Schließlich habe ich die drei Vorgängerbände förmlich inhaliert, so verschlungen wurde ich von dieser fesselnden Handlung. Da kann man ja nur enttäuscht werden? Der erste Dämpfer kam mit der Feststellung, dass die Geschichte von Adam und Lea (scheinbar zwei ziemlich beliebte Vornamen für Protagonisten vgl. Tanja Heitmann: Morgenrot)in der Gegenwart spielt.
Der Charme des 19. Jahrhunderts fiel also schonmal weg. Meine Hoffnung, dass Mina Hepsen dies mit ihrem leichten Schreibstil auffangen würde, wurde leider enttäuscht. Irgendwie wirkte alles eher spannungslos und erzwungen.

Die im Buch erwähnten Vergleiche zu James Bond würden es auf den Kopf treffen, wenn 007 ziemlich lahm wäre.
Immer wieder werden Handlungsstränge aufgegriffen und nicht fortgeführt, außerdem wird man immer wieder vor Tatsachen gestellt, wo ich mich wundern musste, ob ich nicht vielleicht etwas überlesen hätte. So z.Bsp als Lea nebenbei erwähnt, dass sie bereits wisse, was Adam ist. Das hatte sie von ihrem vampirischen Geisterfreund erfahren, von dem wir als Leser zuvor auch noch nicht wussten, dass er ein Blutsauger war. Doch am schlimmsten war in einem Nebensatz emotionslos zu erfahren, dass die Protagonisten der vorherigen Bände alle tot sind. Wieso? Keine Ahnung, schließlich wurden diesem Fakt vielleicht fünf Worte geopfert.

Ich war etwas verwirrt über den Einschub, dass den Vampiren die Sonne überhaupt nichts ausmachte. Ich bin mir nicht ganz sicher, aber war das in Mina Hepsens Welt des 19. Jahrhunderts eigentlich auch der Fall?

Lea, die keine Geister sehen, sondern nur hören kann und somit ziemlich schizophren wirkt, ist nicht wirklich sympatisch. Zwischen ihr und dem etwas besser dargestellten Adam knistert die Luft NICHT wirklich. Die romantischen Momente, welche die bisherige Reihe ausmachten, fehlen hier fast gänzlich. In den letzten 20 Seiten kommt endlich ansatzweise emotinale Tiefe auf, doch die reißt die Mysere auch nicht mehr heraus und so endet "Unsterblich wie der Morgen" so wie es angefangen hat: enttäuschend - auch eine Gemeinsamkeit mit "Morgenrot".

Wertung 2/5

"Blick in den Abgrund" von Shannon McKenna

Etwas schwächer als der Vörgänger, aber immer noch ziemlich gut.

 Davy McLoud ist ein harter Brocken, das zumindest muss Margot Vetter erfahren, als sie ihn als Privatdetektiv
für ihr Stalkerproblem engagiert. Immer wieder geraten beide gehörig aneinander, denn Margot und Davy haben einige Geheimnisse, die sie noch nicht gewillt sind einander anzuvertrauen. Da Margot Zahlungskraft nicht gewährleistet ist, einigt sie sich mit Davy auf ein unmoralisches Angebot, in der Hoffnung die Gefühle auf der Suche nach dem psychopatischen Stalker ausser Acht lassen zu können.

Der dritte Teil in der Romantic Suspense Reihe von Shannon Mckenna wartet wieder mit einiger Spannung und Erotik auf. Die beiden Hauptcharaktere sind überzeugend und individuell gestaltet, bei Mckenna ist es selten 0815. Besonders schön fand ich auch in diesem Teil wieder das Auftreten der altbekannten und zukünftigen Hauptprotagonisten. Es wird keiner aus den Augen verloren und gestaltet somit die Hanndlung durch die Buchreihe hinweg mit.
Die Schwächen des Buches bestehen ganz klar darin, dass sie sowohl von der Thriller- als auch von der Liebeshandlung zum Vorgänger abfallen. Die beiden Protagonisten haben ihre witzigen und schönen Momente, aber auch die absurden, schwer nachvollziehbaren, so zum Beispiel als Davy die wehrlos gefesselte Margot vor einer Folter bewahrt, schlafen sie kurz darauf an selber Stelle miteinander. Oder als es zum großen Showdown kommt und man eigentlich Panik und Verzweifelung von Margot erwarten sollte, schminkt und stylt sie sich ersteinmal in aller Seelenruhe. Die Thrillerhandlung lässt einige Fragen über die Bösewichte und ihre Beweggründe offen, ist aber besser konstruiert als im ersten Teil um Seth und Raine. Es geht jedoch nicht mehr so heiß her, wie in den beiden Vorgängerbänden.
Doch ich bleibe der Serie treu, da es nach wie vor eine sehr gelungene Buchreihe ist und im nächsten Teil endlich mein Favourit Sean seinen Hauptpart bekommt. Ich freue mich darauf!

Wertung 4/5

"Kissed" von Alex Flinn

Märchen in the Mix.

 Johnny möchte einmal der neue Manolo Blahnik werden, als die Prinzessin des fiktiven Königreiches Aloria in dem Hotel , in dem Johnny sein Schustergeschäft führt, eincheckt, ist für ihn klar, die Prinzessin muss er kennenlernen. Vielleicht kann sie ihm zu seinem Ruhm verhelfen. Doch diese hat ein ganz anderes Vorhaben, denn Johnny soll ihren Bruder, der in einen Frosch verwandelt wurde, finden und seinen Fluch bestenfalls brechen. Ein verrückter Roadtrip beginnt für ihn und seine beste Freundin Meg.

Auf Alex Flinn bin ich durch "Beastly" aufmerksam geworden. Die moderne Märchenadaption von "die Schöne und das Biest" hatte zwar seine Schwäche, doch viel mehr punkteten seine Vorzüge und die originelle Idee alte Märchen neu zu interpretieren. Und so war ich auch hier wieder neugierig, wie der "Froschkönig", so meine Annahme nach Betrachten dieses süßen Covers, hier umgesetzt wurde. Der Froschkönig wurde zwar verwendet, doch nicht nur, denn "Kissed" ist eine Zusammenführung mehrerer Märchen, vorallem aus der Feder der Gebrüder Grimm, die im Anhang noch einmal aufgeführt wurden. Es schadet nicht, diese Beschreibungen zuerst zu lesen, da man so den Inhalt besser erfassen kann, jedoch auch Gefahr läuft den Handlungsverlauf verfrüht aufzudecken. Doch ich weiß nicht ob es an mein vorheriges Vorspannlesen lag, doch ich empfand den Plot als ziemlich vorhersehrbar und überraschungsarm. Jedoch ist "kissed" keinesfalls langweilig, sondern lässt sich flüssig lesen. Der Schreibstil Flinns lässt die Charaktere und das Setting sehr atmosphärisch erscheinen. Die ungewöhnliche Geschichte schafft es darüber hinwegzutrösten, dass der romantische Part in "Kissed" nicht so ausgeprägt, wie in "Beastly" vorzufinden ist. 

Wertung 4/5

"Blutbraut" von Lynn Raven

Warten wie es weitergeht?

 Lucinda Moreira läuft davon und das bereits ihr halbes Leben lang. Vor Monstern, vor ihrer Vergangenheit, vor dem Grauen und vor den Mördern ihrer Tante. Durch Verrat gerät sie in ihren persönlichen Albtraum und in die Fänge von Joaquin de Alvaro. Der ist der mächtigste Haxer weit und breit, doch dadurch ist er auch dazu verdammt sich jede Nacht ein Stückchen mehr zu verlieren und zum Nosferatu zu werden. Dies kann nur eines aufhalten: Lucindas Blut. Doch das ist das Letzte was Lucinda bereit ist zu geben.
Zu beginn der Geschichte wird man erst einmal mit zahlreichen Namen und Fakten in einer föllig neuen Hexergemeinschaft konfrontiert, doch wer aufmerksam ist und das Buch in einem Rutsch runterließt, sollte das gut bewältigen können. Für die diversen spanischen Begriffe und Redewendungen, die bei der nicht spanisch sprechenden Bevölkerung sicher ein paar Verständnisprobleme hinterlassen könnten, sorgte die Autorin auf ihrer Website für eine nach Seitenzahl geordnete Übersetzungshilfe.

Die Liebesgeschichte zwischen Luz und Joaquin nimmt nur sehr langsam an Fahrt auf, was dem Buch jedoch auf keiner Seite schlecht zu Gesicht steht. Immer wieder erinnerten mich einige Elemente der Liebesgeschichte an "die Schöne und das Biest", so zum Beispiel der sehende Spiegel oder die furchteinflößende Gestalt des Protagonisten. Dies ist jedoch überhaupt kein Makel sondern vielleicht eher eine kleine Hommage. Etwas zu kritisieren habe ich aber doch, denn ich wüsste schon ganz gern wie alt der Protagonist ist, von Luz erfahren wir es auch erst spät, dass sie 18 Jahre alt ist, obwohl sie mir stellenweise etwas älter vorgestellt hatte. Doch das ist eher nichtig für mich, daher wird es deswegen ganz sicher keinen Abzug geben.

Am Ende bleibt die Frage "wie geht es weiter?". Tut es das überhaupt? Das Ende des Buches lässt ein paar Fragen offen, die auf eine Fortsetzung schließen lassen, von der weder auf der Verlagsseite noch der Internetseite der Autorin etwas zu erfahren ist. In einem Jahr sind wir sicher wieder schlauer und hoffenlich auch wieder sehr zufrieden, denn Lynn Raven ist und bleibt ein garant für außergewöhnliche deutschsprachige Fantasyliteratur und auch mit ihrem neuesten Werk, auf das ihre Anhänger über ein Jahr warten durften, landete sie wieder eine literarische Punktlandung. Egal ob Charaktere, Plot, Spannung oder ihr wundervoll bildhafter Schreibstil, all dies läuft zu einem wahren Gesamtkunstwerk zusammen, welche die 732 Seiten wie einen Wimpernschlag erscheinen lassen.

Wertung 5/5

"Sündige Gier" von Sandra Brown

Spannend. Mörderisch. Prickelnd. Brown.

 »Paul ist tot.«
Creightons Herz setzte einen Schlag aus. Sein Lächeln fiel in sich zusammen. »Was?«
Doug räusperte sich. »Dein Onkel wurde vor einer Stunde im Hotel Moultrie erschossen.«
Creighton starrte seinen Vater wortlos an, bis er schließlich tief Luft holte. »Also, in den unsterblichen Worten von Forrest Gump oder genauer gesagt seiner Mutter: Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen. Man weiß nie, was man bekommt.« (Sündige Gier, S.11)

In einem Hotel in Atlanta wird der Millionär Paul Wheeler erschossen. Alles weist auf einen Raubüberfall hin. Doch seine junge, schöne Begleiterin Julie Rutledge ist sich sicher: Es war Mord. Doch niemand will ihr Glauben schenken.
In Auftrag gegeben von Creighton Wheeler, Pauls Neffen und potenziellem Erben. Um zu verhindern, dass Creighton von Starverteidiger Derek Mitchell vertreten wird, beginnt sie ein perfides Spiel, dessen Kontrolle ihr schnell aus den Händen genommen wird...

In alter Manier baut Sandra Brown unbarmherzig eine mitreißende Spannung auf, die in einem Herzschlagfinale gipfelt.
Die Charaktere sind allesamt vom Helden bis zum mörderischen Genie beängstigend real und vielschichtig gezeichnet. Schnell entsteht zwischen den Protagonisten, Julie und Dereck, eine unbändige Chemie, sodass die Luft förmlich zu knistern scheint und der Herzschlag des Lesers schnellt in die Höhe. Aber das ist ja das Markenzeichen der Autorin Sandra Brown und gleichzeitig ihr größtes Talent.
Die Story ist dieses Mal nicht ganz so ausgefallen, wie in "Süßer Tod" oder "Ewige Treue".
Auch ist "sündige Gier" nicht so mitreißend und gefühlsbetont wie ihre Werke "Trügerischer Spiegel" oder "der Hauch des Schicksals", doch die aufkommende Spannung entschädigt dies allemal. Bis zur letzten Seiten ist der Leser in einem Sog gefangen, dessen Wirkung erst mit dem Zuschlagen des Buchdeckels langsam zu verschwinden scheint.
"Sündige Gier" ist ein typischer Thriller aus Sandra Browns Feder, wie man sie in den vergangenen Jahren immer wieder lesen konnte und auch hier ging die Rechnung wieder auf, denn das Buch ist ein Muss für alle Fans der Autorin und eine Empfehlung für diejenigen, die mal wieder ein richtig gutes Buch auf dem Gebiet der Romantic Suspense lesen wollen. 

Wertung 5/5

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