Dienstag, 4. Februar 2014

1/5 "Seelenkuss" von Lynn Raven

Es tut mir in der Seele weh!



Darejan aus dem Volk der Korun ist die Schwester der Königin und besitzt so einige Privilegien. So lernt sie einen Fremden aus einem weit entfernten Reich kennen und lieben. Als sie eines Tages feststellt, dass etwas mit ihrer Schwester nicht stimmt, ist alles bereits zu spät und Darejan verliert ihre Erinnerung und Liebe...
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Vorab, ich bin ein großer Fan der Autorin und habe jeden ihrer Romane mit Freude gelesen, doch "Seelenkuss" ist seit langem eines der schlechtesten Bücher, welches ich lesen musste. Das zu schreiben, tut mir wirklich in der Seele weh. Doch woran liegt es?

Erst einmal war der Einstieg in die Handlung schon unglücklich gewählt wurden. Einige Kapitel werden aus der Sicht Refens erzählt, sodass ich urtümlich davon ausging, dass er der Protagonist neben Darejan sein würde. Refen besaß auch die typischen Eigenschaften eines klassischen Lynn-Raven-Helden. Meine Sympathien hatte er also, doch verschwand er schon wieder nach den ersten 100 Seiten, nur um erst in den letzten 10 (!) Seiten wieder ausgekramt zu werden.
Darejan an sich war okay - eine Umschreibung, die ich bei Charakteren sonst nie wählen würde, aber mir fallen zu ihr keine prägnanten Eigenschaften ein. Der eigentliche Held der Geschichte, dessen Name erst sehr spät genannt werden durfte, hat die Rolle des Schwachsinnigen auferlegt bekommen. So sieht Darejan ihn zumindest und redet die meiste Zeit über sehr abfällig von ihm. Der Verrückte, Dunanor, Jarhal... die Liste ist lang. Die Liste seiner Charakterzüge hingegen nicht.
In dieser Hinsicht nehmen sich Darejan und ihr Auserwählter nicht viel. Gerade weil ich von der Autorin etwas anderes gewöhnt bin - sprich vielschichtige Persönlichkeiten, gerne mit Badboyeinschlag, und gütige Frauen, zwischen den die Funken nur so explodieren - war die Enttäuschung unglaublich herb.

Was die Charaktere verbockt haben, konnte auch die Handlung nicht herausreißen. Von vornherein existiert für mich das Problem, dass beide Protagonisten unter einer magischen Amnesie stehen und ich erst gar nicht wusste, wohin die Reise uns führt, aber auch woher der Wind wehte. Ich hätte mir so sehr gewünscht, dass wir die Kennenlerngeschichte der beiden live miterleben und nicht in kurzen Traumsequenzen erst am Ende erfahren. Dafür hätte sich die Autorin die elendig lange Reise und Flucht übers Meer, durch Wälder, Wüsten, Ebenen, Städte oder Gebirge sparen können. Es wollte einfach nicht enden und die ganzen Katastrophen, Gegner und Kreaturen, die die Wege kreuzten, waren lästig und seitenfüllend, wie schon lang nicht mehr!
Ein wenig entsetzt war ich über die Kaltschnäuzigkeit der Protagonistin, welche am abrupten Ende, das ich mir nach der fast 600-seitigen Langeweile herbeisehnte, über zwei Menschenleben mal eben so entschied. Außergewöhnlich viele sinnlose und grausame Tode sind in "Seelenkuss" zu beklagen, welche für so junge Fantasy eigentlich nicht tragbar ist. Ich schätze "Game of Thrones" hat der Autorin als Inspiration gedient, wenn sie auch nur ansatzweise diese Spannung hätte übertragen können, wäre das Buch ein Reißer geworden.

Der Grund für meine selten vergebene Niedrigstwertung ist der Schreibstil, wenn dieser mir nicht zusagt, ist schon das halbe Buch dem Untergang geweiht.
Eigentlich liebe ich Lynn Ravens Art zu schreiben, die Gefühle, die sie damit unvergleichlich transportieren kann oder Situationen entstehen lässt. Doch hier hat sie eindeutig übertrieben! Ich als Leserin brauche einfach keine drei unterschiedlichen Begriffe für ein und das Selbe Gebiet oder Volk.  Und warum, muss ein seltsames fabelartiges Reittier mit exotischem Namen her, wenn es auch ein Pferd tun würde. Schon klar, dies ist nun mal Highfantasyliteratur, doch muss ich mir darunter doch auch etwas Vorstellen können, damit das ganze Konzept funktioniert. Das ging nur hier eben nicht, weil die Reittiere, deren komplizierter Namen mir entfiel, des Reitervolks, dessen komplizierter Name mir auch entfiel, einfach nicht beschrieben wurden. Diese Dinge häuften sich einfach, es wurden fantasievolle Worte eingeworfen, deren Bedeutung nicht erklärt wurde oder ich mir irgendwie herleiten konnte. Das macht für mich in etwa so viel Sinn, wie das Lesen von „Krieg und Frieden“, bei dem man jedoch 10% der Worte aus dem Russischen unübersetzt ließ…

Mir fällt beim besten Willen kein positiver Aspekt des Buches ein. Traurig aber wahr. Ein Indiz dafür ist, dass ich „Seelenkuss“ sechs Wochen neben meinem Bett liegen hatte, parallel ein anderes Buch beendete und eigentlich nur lustlos zu diesem Roman griff. Zum Vergleich: Ich habe „Blutbraut“ mit 150 Seiten mehr an einem einzigen Wochenende durchgelesen.
Wenn der nächste Roman von Lynn Raven ansteht, warte ich erst einmal ein paar Kritiken ab, bevor ich wieder blind zu schlage. So eine Quälerei will ich kein zweites Mal erleben. 

Wertung: 1/5

Freitag, 17. Januar 2014

"Flammen der Rache" von Shannon McKenna

Futuristisch - fatal - frostig - Bruno und Lily



Mir fällt es ein wenig schwerer als sonst ein Buch aus der McCloud und Freunde - Reihe von Shannon McKenna zu besprechen. Ich liebe ihre Serie sehr, sie ist eigentlich auch die einzige Kriminalliteratur, auf die ich mich wirklich stürze, eben weil sie es schafft spannende Handlungen mit heißen Liebesgeschichten perfekt zu verweben. Doch die "Flammen der Rache" brannten nicht allzu hell, wie bei den Vorgängern...

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Bruno Ranieri fühlt sich allein gelassen seit sein Zieh-/Adoptiv-/was-auch-immer-Bruder Kev zusammen mit seiner Zukünftigen auf Weltreise ging und Tante Rosa Anschluss beim McCloud-Clan fand. Völlig überfordert schmeißt er eine Nachtschicht nach der nächsten im Familiendiner, als ein Lichtblick in Form einer Femme Fatale das Diner betritt und Bruno beginnt nur noch mit dem kleinen Ranieri denken zu wollen.
Lily Parr hat kein leichtes Los gezogen, ihr Vater verbringt sein Dasein in einer psychiatrischen Anstalt, da sein Drang zu sterben jedem Funken Leben in ihm den Kampf ansagte. Die horrenden Rechnungen für diese Einrichtung bestreitet sie mit dem schreiben von Studien- und Doktorarbeiten für leistungsschwache Akademiker, die es sich leisten können. Während eines unleidlichen Besuches in der Psychiatrie gibt ihr Vater kryptisches Zeug von sich, Lily wird der Klinik verwiesen, ihr Vater stirbt unter mysteriösen Umständen und Lily findet sich auf der Flucht vor brandgefährlichen Killern wieder.

Soviel zu den ersten 50 Seiten des Buches, da es ganze 700 umfasst, habe ich nicht zu viel verraten. Gewohnt rasant und spektakulär beginnt die mittlerweile achte Geschichte der Saga. Für Lily und Bruno ist es natürlich auch vor dem ersten gewechselten Wort klar, ich muss in sein/ihr Bett. Was danach abläuft schien für Shannon McKennas Protagonisten schon vorgeschrieben zu sein: ein heißer, schweißtreibender Marathon der Leidenschaften.
Doch halt, wer sich zu früh darauf freute, dürfte unter Umständen enttäuscht werden. Ich hatte das Gefühl, dass während des Schreibens eine Lektorin hinter der Autorin stand und kopfschüttelnd meinte: "Shannon, muss denn der ganze Sex immer sein?"
Nun ja, vielleicht nicht unbedingt, aber er darf schon expliziter, leidenschaftlicher und ausdauernder sein, als es hier der Fall war. Wenn ich von der Autorin nicht "kapitelweise Bettsport" gewohnt gewesen wäre, mir wäre es nicht aufgefallen, aber zwischen Lily und Bruno empfand ich die Chemie eher als "achja wir müssen mal wieder ran, um das Mindestmaß zu erfüllen."
Die beiden konnten mich auch emotional nicht so sehr abholen wie die meisten ihrer Vorgänger. Natürlich schleppen auch beide eine gehörige Hypothek mit sich herum, doch im Vergleich zu den anderen Protagonisten erscheint sie mehr als harmlos.
Bruno büßte für mich so einiges an Charme und Humor aus dem Vorgängerband ein. Mit Lily wurde ich leider auch nicht allzu sehr warm, ihre Stimmungsschwankungen sind nichts für ausgeglichene Leser!

Nach dem mich die Liebesgeschichte nicht so sehr bei Laune halten konnte, war ich dafür umso mehr von der Thrillerhandlung beeindruckt. Shannon McKenna schafft es immer wieder futuristische Szenarien in der Gegenwart anzusiedeln, von denen ich mich beängstigt fragen muss, ist das wirklich möglich?
So führt in diesem Teil das fabelhaft böse Genie, King, die Regie über eine Armee von Killern, die er selbst heranzüchtete, ihre Gehirne so manipulierte, dass nur, die für ihn erstrebenswerten, brutalen Eigenschaften hervortreten. Emotionen sind verpönt. Die Autorin erschuf hier ein Bild von programmierten Menschen, welches wirklich beängstigend und zeitgleich genial ist. Die Verbindung zu Brunos Mutter und seiner restlichen, entfernten Mafiafamilie ist gut erarbeitet und spannend zu verfolgen.

Ein weiterer Pluspunkt waren für mich mal wieder die Aufeinandertreffen der gesamten Brüder und deren Freunde, Tante Rosa passt perfekt hinein, verhätschelt die Kinder und nervt sämtliche Erwachsene mit ihren Nachwuchserwartungen. Das war amüsant zu lesen. Auch die kleine Rachel ist aus sich herausgekommen und darf in Kürze ein Geschwisterchen erwarten. Was einigen an Familienzusammenführung im vergangenen Band zu kurz kam, wird hier noch einmal aufgearbeitet, denn zwischen den McClouds, Kev und Bruno herrschen Spannungen und Eifersüchtelein.

Ich hoffe, dass mich der mürrische Alex wieder mehr in seinen Bann ziehen kann, wenn er und Lilys Freundin, Nina, im nächsten Band zusammen finden werden.

Abschließend muss ich sagen, dass die Liebesgeschichte aus "Flammen der Rache" eine der schwächeren dieser Reihe ist.  Dafür konnte die Autorin mich mit ihrem futuristischen Thrillerplot überzeugen. Fans der Reihe kommen aber auch hier nicht an dem temperamentvollen Italiener mit Mafiawurzeln und seiner noch viel temperamentvolleren Studienarbeitsfälscherin vorbei. Also viel Spaß beim Lesen!

Wertung: 4/5

Reihenfolge der McCloud Serie:
1.Die Nacht hat viele Augen (Seth MacKey + Raine Cameron)
2.In den Schatten lauert der Tod (Connor McCloud + Erin Riggs)
3.Blick in den Abgrund (Davy McCloud + Margot Vetter)
4.Sünden der Vergangenheit (Sean McCloud + Olivia Endicott)
5.Spiel ohne Regeln ( Nick Ward + Becca Cantrell)
6.Stunde der Vergeltung (Val Janos + Tamara Steele)
7.Die Macht der Angst (Kev Larsen + Edie Parrish)
8.Flammen der Rache (Bruno Ranieri + Lily Parr)Januar 2014
9.An der Schwelle des Todes (Nina Christie + Alex Aaro)Juli 2014
10.Fatal Strike (Miles + Lara Kirk) September 2013
11. Momentan schreibt die Autorin an Svetis und Sams Geschichte.

Donnerstag, 26. Dezember 2013

"Beautiful Disaster" von Jamie McGuire

Mein Buchflopp 2013...

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 Hier ist er mein Buchflopp des Jahres 2013! Die unehrenvolle Bezeichnung geht an "Beautiful Disaster", welches ich mir ursprünglich aufgrund einer euphorischen Rezension kaufte und diese Entscheidung nun zutiefst bereue. Was für ein Desaster! Und gewiss kein schönes!

Abby und ihre Freundin sind Ersemester am College, bei einem illegalen Box-/ Freestylekampf begegnet Abby erstmalig Travis. Er steht im Ring und schlägt seinen Gegner bis das Blut spritzt ...direkt auf Abbys spießiges Strickjäckchen... Der Beginn einer brutal-bescheuerten Liebesgeschichte....

Es ist schwer an einer Begebenheit festzumachen, was mich am meisten an diesem Buch störte. Eigentlich ging die ganze Kennenlerngeschichte noch recht flott und unterhaltsam über die Bühne, doch sobald der gefährliche, unwahrscheinlich attraktive, alles abschleppende Travis begann sich in das Dummnüsschen Abby zu verknallen, ging alles den Bach hinunter.
Selten habe ich über so eine dämmliche, selbstherrliche, manipulative Protagonistin lesen müssen, wie hier. Zu allem Überfluss besitzt sie auch noch Verbindungen zur Mafia und das Talent die Besten beim Pokern über das Ohr zu hauen, und das schon im Alter von 13 Jahren. Alles klar soweit? Nicht wirklich.

Man kann vielleicht behaupten, dass die Autorin beim Hintergrund ihrer Figuren kein glückliches Händchen besaß, aber charakterlich schießt sie dann erst recht den Vogel ab.
Schlimm genug, dass Abby zeitweilig noch zweigleisig fährt. Sie datet den angehenden Medizinstudenten Parker, lässt sich von ihm nach kurzer Datingphase ein Diamantarmband schenken und flirtet die ganze Zeit über mit Travis und lässt sich ebenso zu ihrem Geburtstag von ihm beschenken. Es gibt einen Welpen, dessen Existenz aber keine große Rolle zu spielen scheint. Er wird mal eben zu Bekannten mit loser Moral, bzgl. Drogen, abgeschoben, wenn der kleine Toto Glück hat, ansonsten ließ man ihn am Ende auch schonmal für ein Wochenende allein zu Haus, oder der Hund muss hautnah miterleben, wie sein Herrchen die Wohnung kurz und klein schlägt, weil ihm die Freundin (mal wieder) abhaute. Wäre das die Geschichte eines realen Hundes, könnte ihm später selbst der Hundeflüsterer nicht mehr helfen.

Abbys Spielball, Travis, ist mindestens genauso schlimm geraten. Er ist gewalttätig und eifersüchtig ohne Ende. Eine schlechte Kombination. Abby, die nebenbei noch das schärfste Mädchen des Colleges sein soll, wird angesehen und Travis verpasst im gleichen Atemzug Fausthiebe. Am Ende färbt dieses Verhalten auch noch ab und der einstige Diamantenjunge wird von der undankbaren Abby direkt mit abgewatscht...bis das Armband klimperte.
Die beiden haben sich absolut verdient und bilden ein absolut unromantisches, unsympathisches, unharmonisches und unverantwortliches Pärchen.

Selbst der Schreibstil der Autorin kann es nicht herausreißen. Diese Geschichte und Jamie McGuire profitierten definititv vom Shades of Grey - Hype, ohne ihn wäre sie sicher nicht verlegt wurden. Dies hier hat damit jedoch nichts zu tun. Die Sexszenen sind langweilig und verklemmt geschrieben, dafür, dass Travis keine Studentin ausließ, scheint sein Können nicht sehr ausgereift zu sein. Eine "kommende Abby" sucht man vergeblich.
Das "Täubchen" kann ich nicht mehr hören, lesen oder sehen - einfach nur grausam dieser inflationäre Gebrauch von despektierlichen Kosenamen!
Was man hier Handlung nennen könnte, ist eine Aneinanderreihung von Streits, Flirts, Brutalitäten und haarstreubenden Ereignissen und das in Dauerschleife, gekrönt von einem schwachsinnigen Ende. Das Wort Desaster beschreibt dieses Buch daher schon recht gut, nur würde ich das Adjektiv austauschen wollen.

Als würde das Übel nicht schon perfekt sein, patzt auch noch der Piper-Verlag und streicht erstmal die "13"(S.283, 1. und 2. Auflage) und schreibt "14. Kapitel" hin. Da hat man super aufgepasst...

Ich kann wirklich kein gutes Haar an "Beautiful Disaster" finden, Vergleiche mit den Buchreihen von Simone Elkeless gleichem einem Schlag ins Gesicht für deren Leserschaft. Dieser Roman schafft es in diesem Fall ganz oben an die Spitze meiner Liste des schlechtesten Buches 2013. Na herzlichen Glückwunsch...

Ps: "Walking Disaster" erzählt die ganze Katastrophe aus Travis Sicht. Klar, dass ich mir das nicht mehr antun werde.

Wertung 1/5

Freitag, 13. Dezember 2013

"Chroniken der Schattenjäger (Band3): Clockwork Princess" von Cassandra Clare

Ein grandioser Epilog macht noch lange kein grandioses Finale.

Das Cover, wie es sein sollte... Bildquelle
 
 Nachdem Tessa Jems Heiratsantrag annahm, und das, obwohl sie auch Will liebt, sind nur wenige Tage vergangen. Doch die Schattenwesen Londons kennen keine Auszeiten oder Hochzeitsvorbereitungen...
Tessas Brautkleid? Zerfetzt im Kampf gegen Mortmains Automaten.
Tessas Verlobter? Ans Sterbebett gefesselt, weil die Vorräte seiner Droge/ Medizin aufgebraucht sind.
Tessas Liebe Nummer zwei? Ist so stark wie eh und ebenso zum Scheitern verurteilt.
Tessa selbst? Ist in die Fänge Mortmains und seiner verbesserten Automaten geraten.
Ein Entkommen? Nicht möglich...

Nach dem mich der erste Teil der Trilogie nicht mitreißen konnte, ich jedoch vom zweiten Band absolut begeistert war, freute ich mich uneingeschränkt auf das große Finale der historischen Schattenjäger Erzählung.
Der erste Dämpfer meiner Euphorie entstand nach dem Anblick der neuen Cover. Die ersten waren schon nicht berauschend, aber die Menschengesichter sind absolut indiskutabel. Warum ändert man überhaupt das Erscheinungsbild der Bücher innerhalb einer Reihe?
Nun ja als ich ebenjenen Umschlag des Grauens abmachte, stellte ich interessiert fest, dass ein Stammbaum eine gute Sache sei, um die ganzen Charaktere wieder einordnen zu können. (Ich lese sehr viel und merke mir daher auch nicht jeden Charakter oder wie er in Verbindung mit den Protagonisten steht.) Blöderweise enthielt der Stammbaum keine Spoilerwarnung und Tessas zukünftiger Partner, der bis dahin ja nicht klar war, sprang mir förmlich ins Auge. Wirklich schade! Ein wenig der Spannung beraubt machte ich mich ans Lesen der 608 Seiten.

Was mir gut gefiel, war das Flair des 19. Jahrhunderts in das Cassandra Clare uns wieder einlud. London, Nebel, alte Gemäuer, kein Strom - das perfekte Setting für eine gute Geschichte, wie ich finde.
Ganz zu Beginn war auch noch der Witz und Esprit der Figuren in den Dialogen zu spüren, wenn Jem und Will sich mit ihren Insiderjokes bombardierten, machte es wirklich Spaß die beiden in ihre Abenteuer zu begleiten. Doch leider hielt die Leichtigkeit nicht lange an und Cassandra Clare begann sich zu verstricken.

Negativ fielen mir die ellenlangen Landschaftsbeschreibungen auf. Will der in Wales Tessas Verfolgung aufnimmt und dabei seitenlang über Hügel, Täler, Berge und das Wetter schwadroniert. Die Autorin hat die meisten ihrer Settings selbst bereist und möchte ihre Eindrücke wiedergeben, so würde ich es auch machen, doch es passierte einfach an den unpassendsten Stellen. Das nimmt dem Erzähltempo natürlich eine ganze Menge an Geschwindigkeit heraus und machte es mir schwer der Geschichte zu folgen. Dass ich für die 600 Seiten länger brauchte, als gewohnt, ist ein weiterer Beweis für die Trägheit des Handlungsverlaufs.
Für mich kam die Geschichte bis zum Epilog ohne große Höhepunkte aus. Das Finale im walisischen Berg blieb hölzern und leicht unbeholfen, die Kampfszenen wirkten mühsam, doch den Vogel schoss die Autorin hiermit ab: nachdem Will Tessa von Jems "Zustand" berichtete, legten sich die beiden erstmal der Länge nach aufeinander - das war Cassandra Clares unblumige Umschreibung für "sie hatten Sex."
Dabei triefen die Dialoge nur so vor kitschiger Liebesbezeugung, dass es mir fast unmöglich machte, die Gefühle der Protagonisten ernst zunehmen. Empathie weckte es in mir leider überhaupt nicht und ich war froh, als sich die Kapitel endlich dem Ende neigten.

Da tauchte auch endlich das Highlight des Buches auf, von dem ich mir wünschte, es wäre die ganze Zeit über so gewesen. Der in der Gegenwart spielende Epilog wurde, nach einer absatzübergreifenden Beschreibung der Blackfriars Bridge, noch hochemotional und tränenreich für mich. Ich war alles andere als enttäuscht von den letzten Seiten und kann Cassandra Clares Wunsch, jedem ihrer Figuren ein Happy-End zu schreiben, mehr als nachvollziehen. Es war schön zu lesen, was aus allen wurde und ich bin wirklich gespannt, ob Tessa und ... (zu großer Spoiler) im letzten Buch der Chroniken der Unterwelt auch noch auftauchen werden. Das wäre für mich eine gelungene Fusion beider Buchreihen.

Der Abschluss der Trilogie "Clockwork Princess" ist für mich leider sehr schwach ausgefallen und konnte an seinen starken Vorgänger nicht anknüpfen. Einzig der Epilog brachte für mich Tessas Geschichte zu einem versöhnlichen Ende und ich bin gespannt, ob wir sie in "City of heavenly Fire" wiedersehen werden. 

Wertung 3/5

Montag, 9. Dezember 2013

"Böses Herz" von Sandra Brown

Böses Herz? Böses Ende.


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 „Je näher die Sonne dem Horizont entgegentrieb und je tiefer sich die Dunkelheit herabsenkte, desto deutlicher wurde, dass sich die Wellen, die der Mord an Marset geschlagen hatte, allmählich zu einem wahren Tsunami wuchsen. Und alles nur wegen diesem Lee Coburn. Den sie finden mussten. Den sie zum Schweigen bringen mussten. Den sie ausradieren mussten.“ (Böses Herz, S.89)

Honor Gilette ist am Backen, als ihre Tochter Emily sie auf den fremden Mann im Garten aufmerksam macht. Die verwitwete Mutter ahnt nichts Schlimmes, als sie nachsehen geht und plötzlich von dem schwerverletzten Eindringling überwältigt und bedroht wird.
Lee Coburn ist als vermeintlicher 7-fach Mörder auf der Flucht und auf der Suche nach einem mysteriösen Gegenstand. Seine Suche führt ihn zum Haus der Gilettes, dessen Frauen (Mutter und Tochter) er kurzerhand als Geiseln nimmt. Dem nicht genug offenbart er Honor auch noch, dass ihr Mann viele Geheimnisse vor ihr hatte und ermordet wurde und nicht, wie immer geglaubt, bei einem Autounfall starb.

Ich liebe die Bücher von Sandra Brown, eigentlich..., doch seit zwei, drei Jahren sehne ich ihren Neuerscheinungen nicht mehr allzu euphorisch entgegen. Die Erfahrung hat gezeigt, dass sie an ihre alten Meisterwerke (wie Trügerischer Spiegel, Weißglut, Blindes Vertrauen oder Die Zeugin)nicht mehr anknüpfen konnte.
Dann doch recht gespannt aufgrund der Inhaltsangabe sah ich "Böses Herz" (grenzwertiger Titel, im englischen mit "Lethal" aber auch nicht aussagekräftiger) entgegen, welches früher als erwartet erschien.

Tatsächlich hat diese Neuerscheinung es geschafft mich in ihren Bann zu ziehen. Sandra Brown hält sich auch nicht mit einem ausschweifenden Einstieg auf, sondern versetzt uns sofort in die Szene des ersten Aufeinandertreffens der beiden Protagonisten Lee und Honor. Zwischen den beiden entsteht eine gewisse Chemie, wie ich sie in den letzten Thrillern nicht mehr gefunden habe, dadurch liest sich das Buch sehr flüssig an und ich war etwas gefrustet, wenn Honor und Lee durch die stets auftauchenden Perspektivwechsel für einige Seiten auf die Ersatzbank verbannt wurden.
Die Jagd nach dem Bookkeeper ist recht spannend gestaltet und der blutige Weg zur Aufdeckung des Bösewichtes präsentiert sich in alter Brown-Manier mit vielen Finten und dramatischen Wendungen. Sie schafft es einfach tollen Charakteren ein Leben einzuhauchen, das schicksalhaft, verdorben und wunderschön sein kann.
Ein Pluspunkt war für mich die 4-jährige Emily. Wie in wenigen anderen Romanen zuvor wird die Beziehung der Protagonistin mit ihrem Kind immer besonders innig und zuckersüß beschrieben.

Ein Wehrmutstropfen, welcher zu meiner Bewertung führte, ist das Ende. Es ist nicht ganz stimmig für mich und ich hätte mehr erwartet. Es fühlt sich einfach unfertig an. Doch lest selbst, vielleicht kann es euch ja überzeugen.


Wertung 4/5

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