Montag, 4. Juli 2022

Mehr erwartet | The Way we fall von Jana Schäfer

 

Amelias Leben ist recht unspektakulär. Sie jobbt in einem Cafe und wohnt zusammen mit ihrer Schwester bei ihrer Tante. Ihre Schwester bedeutet für sie alles, denn nach dem Unfalltod ihrer Eltern haben sie nur noch einander. Das Leben zieht an Amelia eigentlich nur vorbei, Studium, eigene Wohnung, Liebe: Fehlanzeige. Als eines Tages ein schwieriger Kunde im Cafe auftaucht, ist Amelia sichtlich genervt. Später stellt sich heraus, dass es sich bei dem Kunden um Jasper Haven handelt, der als Bestsellerautor eine Lesung dort abhalten wird. Beide kommen sich entgegen der Vernunft näher, doch es kommt natürlich wieder anders…

Ich hatte mir die Leseprobe des Titels angesehen und war wirklich positiv überrascht, wie gut mir die Geschichte gefiel. Also gab ich ihr gerne eine Chance und der positive Eindruck bestätigte sich in der ersten Hälfte des Buches. Das Setting spielt in Schottland und das Flair war einfach toll. Jana Schäfer hat einen sehr angenehmen Schreibstil, der mich mühelos durch die Handlung trug. Außerdem fand ich es spannend, dass wir mir Jasper einen Schriftsteller als Protagonisten haben. Das Kennenlernen von ihm und Amelia war süß und nervenaufreibend. Es machte Spaß den beiden dabei über die Schulter zu schauen.

Doch als sich die Probleme der beiden immer mehr herauskristallisierten, desto nerviger und unglaubwürdiger empfand ich die Geschichte. (Minispoiler im Anmarsch) Amelia sitzt wie eine Glucke auf ihrer Schwester, die um die 16 Jahre alt sein sollte. Sie überlebt als einzige den Unfall bei dem die Eltern starben und spricht seit dem kaum noch. Amelia will sie vor der Welt beschützen und blockt alle Bemühungen ab, die andere Menschen haben, um ihr zu helfen. Dabei will ihre Schwester etwas ändern und schafft es schließlich auch sich von Amelia zu lösen.

Natürlich hat Jasper auch einige Probleme, die mit seiner Familie und Vergangenheit zusammenhängen. Ich muss leider sagen, dass mich dieser Handlungsstrang überhaupt nicht abgeholt hat und ich ihn auch einfach nicht nachvollziehen konnte. Jasper hat seit Jahren keinen Kontakt zu seiner Familie, aus guten Gründen, lässt aber sofort alles stehen und liegen und riskiert so einiges, um sich dort wieder einzumischen. An der Stelle kommt auch das Drama des Buches auf, weil Amelia total beleidigt ist, weil Jasper ihr nach wenigen Wochen des Kennenlernens noch nicht seine ganze Lebensgeschichte erzählt hat. Das war schon ziemlich nervig und ließ mich während des Lesens die Augen verdrehen.

Dabei ging die Geschichte so gut los und ich mochte die Beiden zusammen, doch in der letzten Hälfte des Buches ging ganz viel den Bach für mich runter.

The Way we fall war mein erstes Buch von Jana Schäfer, welches mich zu Beginn begeistern konnte, allerdings am Ende nur genervt zurückließ. Allein schon die Schlussszene (vorm Epilog) troff vor Kitsch und setzte dem ganzen absurderweise noch die Krone auf.

3/5

Montag, 27. Juni 2022

Hörbuch | Love between the Lines von Laurie Jixon

 

Juna kann es einfach nicht glauben! Was macht sie wieder zurück in ihrer heimischen Buchhandlung, wenn sie doch gerade noch den Sommer bei Jayden in Kalifornien verbracht hat und sich in ihn verliebt hat? Es bricht eine Welt für sie zusammen, als sie realisiert, dass all das Erlebte nur Bestandteil eines Buches war und nicht real sein konnte. Doch warum fühlt sich alles dann so an? Auf der Suche nach Antworten schlittert Junas Welt kopfüber in die Fortsetzung der Bestsellerreihe hinein und dieses Mal steht für sie nicht nur ihre Liebe auf dem Spiel…

Dies ist der zweite Band der Storytel-Hörbuchreihe um Juna und Jayden. Band eins hatte mich total abgeholt und bestens unterhalten. Als ich dann zum Ende kam, war ich wie vor den Kopf gestoßen. Zum Glück konnte ich die Fortsetzung über Netgalley beziehen!

Zurück im Alltag muss Juna ganz schön mit den Auswirkungen ihres Romanaufenthalts kämpfen. Ihre beste Freundin redet nicht mehr mit ihr, ihre Chefin glaubt ihr kein Wort und feuert sie sogar und nun ohne Job, stehen sie und ihre Mutter vor erheblichen finanziellen Problemen.

Juna sieht ihre einzige Chance darin neu anzufangen und Abstand von allem zu bekommen in einem neuen Job in einem Verlagshaus weit von ihrer Heimatstadt entfernt. Nach einem richtig guten Vorstellungsgespräch kommt aber die große Ernüchterung, denn eine Unterkunft lässt sich für das Probearbeiten einfach nicht finden. Doch ihr junger Chef Nick hat ein Herz für Juna und nimmt sie in seiner großen Wohnung auf. Alles scheint bestens zu laufen bis Juna und Nick sich küssen und auf einmal Jayden vor ihrer Tür steht.

Ich habe mich nach Band 1 gefragt, wie Autorin Laurie Jixon Juna und Jayden wieder vereinen will. Dieses Mal fand ich es sehr clever, dass unsere Protagonistin ganz bewusst in ein neues Leben startet und nicht wie in Teil eins hineingezogen wird. Somit bekommen wir nicht sofort mit, dass sich Juna wieder in einem Roman befindet. Sie wagt wirklich einen kompletten Neustart und ich fragte mich schon, wohin die Autorin da eigentlich will, als dann Jayden vor der Tür stand.

Beide müssen sich gegenseitig erstmal aufs Neues herantasten, denn in Jaydens Welt hat Juna ihn verlassen, weil die Autorin ihren Roman offiziell so enden ließ. Dabei wäre Juna niemals gegangen.

Ich fand es sehr interessant, wie dieses Mal beide Welten miteinander verschmolzen. Denn Jayden wird in Deutschland von Fans der Buchreihe erkannt, was mir ein wenig komisch vorkommt, denn es ist ja ein Roman und kein Film, wo jedem ein Bild direkt aufs Auge gedrückt wird… Naja. Jedenfalls spielt auch die Autorin der Reihe eine größere Rolle und es gibt erstmalig Kapitel aus Jaydens Sicht, die das ganze Konstrukt bröckeln lassen.

Alles in allem hatte mich Band zwei auch wieder sehr gut unterhalten und ich habe kaum etwas auszusetzen. Nun hoffe ich, dass es mit dem Finale der Reihe vielleicht noch in diesem Jahr weitergehen wird.

Gelesen wurde das Hörbuch wieder von Leonie Landa, die einen tollen Job macht und deren Stimme ich einfach sehr mag. Unterstützung bekommt sie dieses Mal von Patrick Mölleken, der die kurzen Kapitel aus Jaydens Sicht einspricht.

„Love between the Lines“ ist der von mir heiß ersehnte zweite Teil um Juna und Jayden aus Laurie Dixons Feder. Mich konnte die Geschichte wieder richtig gut unterhalten und überraschen. Ich hoffe, dass beide im finalen Band ihr Happy End bekommen und bin gespannt, wie die Autorin das Romanweltendebakel auflösen wird.

5/5

Mehr erwartet | Wie man sich einen Lord angelt von Sophie Irwin



Kitty Talbot hat ein mächtiges Problem, als ihr Verlobter sie sitzen lässt, denn Kitty war zwar nicht in ihn verliebt, doch dafür brauchte sie ihn um die Spielschulden ihres Vaters zu begleichen und somit auch die Zukunft ihrer 4 Schwestern zu sichern. Vor dem finanziellen Ruin stehend, rafft sich Kitty auf um ihre erste und einzige Londoner Ballsaison anno 1818 zu begehen. Dort fällt die ungewöhnliche junge Dame schnell auf, was nicht immer Gutes bedeutet. Doch zu ihrem Glück kann sie schnell die Aufmerksamkeit eines jungen, wohlhabenden Gentlemans gewinnen. Doch sein Bruder Lord Radcliffe hat etwas gegen diese Verbindung…


Ich lese sehr gerne Historicals und finde es super, dass rundum den Bridgertonhype immer mehr verlegt werden. Und so wurde auch dieses Debüt mit dem Slogan Jane Austen meets Bridgerton beworben. Doch so richtig gerecht wurde die Geschichte diesem Versprechen und meinen Erwartungen an einen Historical nicht.


Positiv möchte ich hervorheben, dass der Schreibstil der Autorin so auf den Punkt war, dass man wirklich meinen könnte, dass sie aus einem anderen Jahrhundert stammt. So entwickelt die Geschichte ihren eigenen Charme und hielt mich bei der Stange, was gerade nicht so viele Bücher schaffen. Das Setting war plastisch gestaltet, denn wir reisen mit der Protagonistin von ihrem verarmten Landsitz nach London zu ihrer sogenannten Tante, die aber nur eine Bekannte ihrer Mutter war, die deutlich prunkvoller wohnt, was aber nichts im Vergleich zur adligen Gesellschaft darstellt. Kitty wird also geblendet und strebt nach ganz hohen Zielen und einem sehr wohlhabenden Ehemann.

Durch einen glücklichen Zufall trifft sie schon bald auf einen sehr geeigneten Kandidaten und die beiden nähern sich an. Allerdings wittert sein Bruder, Lord Radcliffe, schnell Kittys wahre Beweggründe und konfrontiert sie damit. Doch Kitty wäre nicht Kitty, wenn sie nicht auch aus dem Lord einen Nutzen ziehen könnte.

Ich fand die Ausgangssituation und die Beweggründe der Protagonistin wirklich interessant, doch wie das Ganze im Buch seinen Lauf nahm, konnte mich nicht überzeugen.


Wir lernen Kitty als eine junge Frau kennen, die viel Kalkül besitzt und die Dreistigkeit hat sehr viel zu tun, um ihre Ziele durchzusetzen. Dabei denkt sie nur an sich und ihre Schwestern. Alles andere ist ihr egal. Dass sie ohne Liebe heiraten muss und vielleicht niemals glücklich wird und auch andere Personen damit ins Unglück stürzt, das interessiert sie gar nicht. Kitty reflektiert nicht wirklich was sie tut und erschien mir bis zum Ende als sehr manipulativ und gefühlskalt. Keine erstrebenswerten Eigenschaften für eine Protagonistin des Genres.


Die Liebesgeschichte ist natürlich sehr vorhersehbar. Was mich aber überraschte, war, dass es eigentlich keine Liebesgeschichte gibt, die einem Historical, Jane Austen oder Bridgerton würdig wäre. Große Gefühle sucht man vergeblich und so werden sich die beiden auch erst auf den letzten Seiten bewusst, dass sie zueinander gehören könnten. Intime Szenen blieben daher aus. Das war schon ziemlich enttäuschend und nicht das, was ich von dem Buch erwartet hätte.


Sophie Irwins Debüt „Wie man sich einen Lord angelt“ sprach mich definitiv sofort an, doch die Lektüre ließ mich eher enttäuscht zurück. Von den vollmundigen Versprechungen blieb nichts übrig. Dafür bekamen wir eine unsympathische Protagonistin ohne jegliches romantisches Empfinden.


3/5

Sonntag, 29. Mai 2022

Hörbuchrezension | Das Mädchen und der Totengräber von Oliver Pötzsch

 Teil eins gefiel mir vor fast einem Jahr richtig gut. Ich hörte es auch als Hörbuch und besonders der Sprecher konnte mich mit dieser Geschichte überzeugen. Daher freute ich mich riesig, dass ich auch Band 2 über Netgalley beziehen konnte.


Polizist Leopold von Herzfeldt kommt mit einem ungewöhnlichen Anliegen auf den Wiener Zentralfriedhof. Der Totengräber Augustin Rothmeyer soll ihm etwas über das Konservieren von Leichen erzählen. Denn Leopolds neuester Fall führt ihn ins Kunsthistorische Museum, wo eine Mumie gefunden wurde, die zu frisch ist, um tausende von Jahren alt zu sein. 

Der gefundene Tote ist ein angesehener Professor für Ägyptologie und so spielt auch einer der Handlungsstränge in dieser Welt, was ich sehr spannend fand. Die feine Gesellschaft, welche sich der Forschung widmet, hat nämlich so einige Geheimnisse.

Es treibt aber auch wieder ein Serienmörder in Wien sein Unwesen, der es auf junge Stricher abgesehen hat und ihnen die Geschlechtsteile abschneidet. 
Leopold von Herzfeldt muss sich also um zwei Fälle kümmern und vergisst dabei öfter als ihm lieb ist eine Verabredung mit der Polzeifotografin Fräulein Wolf.

Ich fand es toll die altbekannten Figuren wieder beim Ermitteln im Wien des 19. Jahrhunderts begleiten zu können. Auch der beim kauzigen Totengräber ist einiges los, denn die Behörden wollen ihm sein Findelkind wegnehmen. Dabei ist Augustin Rothmeyer wieder damit beschäftigt ein neues Buch über Totenkulte zu verfassen. Auch hier gab es wieder viel Interessantes, was der Autor bereithielt. Außerdem gefielen mir das Setting und die Thematiken ausgesprochen gut, sodass wir einen spannenden historischen Roman/Krimi vor uns hatten. 

Womit ich auch wieder in Band zwei Probleme hatte, war es die ganzen Namen den Charakteren zuordnen zu können und so musste ich bei einer der Auflösungen auch erstmal rätseln, wer überhaupt gemeint war. 
Die Auflösungen empfand ich auch als Schwäche des Buches. Sie waren zwar nicht vorhersehbar, erschienen mir aber zu willkürlich, weil im Buch keine Spuren in die jeweiligen Richtungen deuteten, sodass man während des Lesens hätte miträtseln können. 

Das Hörbuch umfasst knappe 15h und wurde von Hans Jürgen Stockerl eingelesen, der einen großartigen Job macht, wenn er in den Dialogen in den Wiener Dialekt wechselt. 

"Das Mädchen und der Totengräber" ist der zweite Teil von Oliver Pötzschs Wiener-Krimi-Reihe und mich konnte die Geschichte wieder richtig gut unterhalten. Allerdings gab es auch ein paar Kritikpunkte, dennoch würde es mich freuen, wenn die Reihe noch einige Bände bekommt.

4/5


Sonntag, 8. Mai 2022

Hörbuchrezension | Der Tote aus Zimmer 12 von Anthony Horowitz

 Nach all den Jahren und schreckliche Vorkommnissen in England hat Susan Ryeland endlich auf Kreta ihren Frieden geschlossen. Mit ihrem Lebensgeffährten führt sie dort ein kleines Hotel. Zum Teufel also mit Atticus und den Romanen, die Susan damals lektorierte und die ihr fast das Leben kosteten. Doch dann taucht eines Tages das Ehepaar Treherne auf und erklärt, dass am Hochzeitstag ihrer Tochter ein Mann ermordet wurde. Der Falsche sitzt dafür ein und als ihre Tochter herausfand, wer der Mörder war, verschwand sie spurlos. Den nötigen Tipp gab ausgerechnet das Buch "Atticus unterwegs" und Susan soll nun herausfinden, welcher Hinweis auf den wahren Mörder in ihrem Roman versteckt sein könnte.


Es ist schon ein paar Jahre her als ich "Die Morde von Pye Hall" las, in dem mir Lektorin Susan Ryeland schon einmal begegnete und sich mit den jenseitigen Launen des ermordeten Erfolgsautors Alan Conway auseinandersetzen musste. Auch noch Jahre später holt sie das verschlagene Treiben ihres ehemaligen Klienten ein. Der Krimi war damals ein absolutes Highlight für mich, daher freute ich mich sehr, als ich sah, dass mir die alten Charaktere erneut begegnen würden.

Lektorin Susan ist nun Hoteleigentümerin auf Kreta und dabei nicht so glücklich wie man meinen sollte. Sie lebt zwar dort, wo andere Urlaub machen, allerdings arbeitet sie vor allem dort und das bedeutet Stress mit Angestellten, Dienstleistern und Gästen. Außerdem plagen sie Geldsorgen. Als das Ehepaar Treherne erscheint und ihr 10.000 Pfund für das Aufklären des Vermisstenfalls ihrer Tochter bietet, kann Susan nicht absagen und macht sich auf den Weg nach England, wo die Trehernes ihrerseits ein Hotel betreiben, in dem es vor Jahren zu einem Mord kam und Erfolgsautor Alan Conway für ein Buch recherchierte und die Geschichte darin ausschlachtete.

Der Krimi wird also wieder auf zwei Ebenen erzählt, wie wir es bereits bei den Morden von Pye Hall kannten. Zum einen erfahren wir von allem, was im England der Gegenwart passiert, wie Susan ermittelt und alles zum damaligen Mordfall erfährt und zum anderen erleben wir die Geschichte des Buches "Atticus unterwegs", die von dem Fall inspiriert wurde und einen Hinweis auf den wahren Täter verbirgt. Die ganze Auflösung darum war für mich überraschend, da nicht vorhersehbar und somit auch sehr erfrischend.

Beides war wieder sehr atmosphärisch, englisch und clever erzählt, dass es einfach Spaß machte in den Krimi einzutauchen. Ich durfte das Hörbuch über Netgalley beziehen und mich damit in ein Hörerlebnis stürzen, welches mich sehr gut unterhalten konnte. Den "realen"-Handlungsstrang sprach Katja Danowski ein, die einen sehr guten Job machte und der reifen Susan eine passende Stimme verlieh. Volker Hanisch verlieh dem fiktiven Romanerzähler Atticus Pünd seine Stimme und hätte dies nicht besser tun können. 

"Der Tote aus Zimmer 12" ist ein neuer Fall aus der Susan Ryeland/Atticus Pünd Reihe und er konnte mich absolut begeistern. Ich hätte nie mit dieser Fortsetzung gerechnet und bin sehr froh, dass wir sie bekommen haben. Vielleicht gibt es in ein paar Jahren eine weitere Zugabe?

5/5

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