Sonntag, 16. Juni 2013

"City of Lost Souls" von Cassandra Clare

Solide, spannend, frustrierend - Jace & Clary, die Fünfte!

 Endlich nach über einem Jahr des Wartens geht es mit „City of Lost Souls“ in der New Yorker Unterwelt weiter. Der gigantische Cliffhanger aus dem vergangenen Band versprach wieder massig Zündstoff für diese Handlung:

Nach dem Lilith Sebastian und Jace auf magische Weise miteinander verbunden hatte, sind sie nun zu einer Person in zwei unterschiedlichen Körpern geworden. Was der eine fühlt, passiert auch dem anderen, was der eine will, muss auch der andere haben. Stirbt Sebastian, so stirbt auch Jace. Nachdem Jace zwei Wochen lang spurlos verschwunden war, kehrt er zu Clary zurück, doch diese erkennt schnell, dass Jace mit ihrem verhassten Bruder verbunden ist und setzt alles daran, ihn wieder in seinen normalen Zustand –sebastianfrei- zurückzubringen…

Eine Menge Zündstoff steckte also drin in der Handlung, doch irgendwie wollte er nicht immer in die Luft gehen.
Es fängt schon damit an, dass die Story etwas Zeit und Raum braucht, um in Fahrt zu kommen. Bei fast 700 Seiten ist dies auch nicht wirklich verwunderlich, aber zu Gunsten des Erzähltempos hätten es auch ruhig 100 weniger sein können.
Cassandra Clare nimmt sich auch die Seiten, um sämtlichen Liebenden der Geschichte noch einmal Raum zur vollen Körperentfaltung zu geben. Dies ist für die Fans der Reihe natürlich besonders schön zu lesen.
Ein großes Plus der Serie sind auch immer wieder die Ausflüge ins Reich der Schattenweltler, ob nun hier Vampirin Camille Alec und Magnus das Leben schwer macht oder die Feenkönigin Clary einen Handel vorschlägt und sie nicht ganz uneigennützig berät. Ich liebe einfach diese zwielichtigen Wesen!

In diesem Teil wird die Erzählperspektive öfter als gewohnt gewechselt, sodass sämtliche Schattenjäger, Jocelyn, Simon und sogar die Werwölfe Maia und Jordan zu Wort kommen. Einige mag dies auf eine harte Geduldsprobe stellen, wenn man doch eigentlich nur erfahren will, was nun zwischen Clary und Jace passiert. Dieser Handlungsstrang war für mich das größte Manko der Geschichte.
Leider, blieb das große Herzklopfen der letzten Bände zwischen unseren Protagonisten aus. Dadurch, dass Jace nur ein Schatten seiner selbst ist, fehlt ihm der witzige und liebenswerte Charme. Außer Küssen passiert zwischen den beiden nichts und der Hammer am Ende dürfte auch für einige Frustration sorgen und das nicht nur bei Clary… aber lest selbst!

Der nunmehr fünfte Band der Chroniken der Unterwelt ist trotz einiger Längen gewohnt spannend und weiß dank Cassandra Clares tollem Schreibstil zu fesseln. Doch es steckt auch einiges an Frustrationspotenzial in ihm, sodass meine ganzen Hoffnungen nun auf den letzten Teil der Reihe liegen.
„City of Lost Souls“ ist ein solider Mittelteil, wobei mich „the Clockwork Prince“ aus dem Prequel „Chronik der Schattenjäger“ mehr zu überraschen und beeindrucken wusste. 

Wertung 4/5

Mittwoch, 12. Juni 2013

"Black Dagger 4: Menschenkind & Vampirherz" von J.R. Ward

Menschenkind Butch lässt Vs Vampirherz höherschlagen, wenn nur Marissa nicht wäre...

 Butch O'Neal ist ein Mensch, Ex-Cop, unglücklich verliebt in die Vampirin Marissa und irgendwie nur das „Haustier“ der Black Dagger - so glaubt er zumindest. Als er eines Tages von den Lessern entführt und gefoltert wird, beginnt für Butch ein neues Leben mit beängstigenden neuen Fähigkeiten...

In dieser Rezension gehe ich auch auf den ersten Teil der Geschichte von Butch und Marissa, „Menschenkind“, ein.

Nach dem im Vorgängerband Zsadist sein Seelenheil auf äußerst berührende Weise finden konnte, war es nun fast unmöglich diese Geschichte noch zu toppen.
Tatsächlich ist es dem sympathischen Bullen für mich nicht geglückt. Das lag vor allem an einer Protagonistin, mit der ich nicht ganz warm wurde. Die wunderschöne, hochanständige, unterdrückte, unsichere Marissa, die ganz gerne ihre Taschen packt und verschwindet, wenn es nicht nach ihrem Kopf geht und deren Körper für sie selbst nach 300 Jahren Vampirdasein ein Buch mit sieben Siegeln ist. Natürlich…
Ihre Liebesbeziehung zu Butch war daher etwas mühsam, jedoch nicht 0815, was ich J.R.Ward mal wieder nur zu Gute halten kann. Die beiden fanden mir am Anfang etwas abrupt zusammen: „Was, du warst bei mir vor der Tür, das wusste ich nicht?“
„Okay, dann können wir ja wieder loslegen.“
Naja so ganz war es dann doch nicht, aber ähnlich reibungslos.

Die eigentlichen Gefühlsmomente passierten zwischen Butch und seinem Kumpel V. Vishous hegt eine ganz besondere Beziehung zu Butch, erachtet ihn als „sein“. Doch ob er das ganze auch auf eine körperlich Ebene bringen würde, verrät uns die Autorin nicht.
Vishous und seine Neigungen haben mich auf jeden Fall tierisch neugierig auf seine Geschichte gemacht.

Butchs Charakter macht in seiner Geschichte einen mächtigen Wandel durch und ist eigentlich der Hauptbestandteil der Handlung. Dabei erfahren wir immer mehr, was es mit den Bräuchen der Brüder auf sich hat. Sein Gespräch, oder sagen wir Fragenbombardement an die Jungfrau der Schrift, war unglaublich amüsant. Ich hoffe, dass er und V im nächsten Teil noch ihre Momente bekommen werden.

Was Bald-Vampir John momentan durchmachen muss, fand ich durchaus spannend geschildert. Wie er mit der burschikosen Vampirin Xhex zusammenfinden wird, wird hoffentlich genauso spektakulär.

Ein wenig ermüdend war wieder die Nebenhandlung mit den Lessern. Ihr endgültiges Ende darf wohl angezweifelt werden…

Ansonsten ist J.R. Ward mit „Menschenkind“ und „Vampirherz“ ein wirklich abwechselungsreiches und unvorhersehbares Stück Black Dagger geglückt, das trotz kleiner Schwächen viel Lust auf mehr macht!

Wertung 4/5

"Black Dagger 3: Mondspur & Dunkles Erwachen" von J.R. Ward

Die Schöne und der (Z)Sadist.

 Zsadist ist alles andere als ein typischer Vampir der Black Dagger. Er ist abgemagert, von Narben gezeichnet, von keinem sonnigen Gemüt und stets gefährlich, wie ein Grizzly im Streichelzoo. Aus seiner Vergangenheit als Blutsklave weiß er, Nähe und Sexualität ist etwas Schreckliches. Warum sich die verstoßene Aristokratin der Vampirgesellschaft, Bella, für ihn interessiert, versteht er nicht, nur dass er sie keinesfalls an sich heranlassen darf. Doch als sie von den Lessern entführt wird, setzt er alles daran sie zu befreien…

Ach ja… wie schön! Bellas und Zsadists Geschichte hat mich wirklich abgeholt, zutiefst berührt und mitgerissen. Es ist unglaublich erfrischend mit den Black Daggern keine konturlosen Supervampire à la Lara Adrian vor sich zu haben, sondern tatsächliche Charaktere, die eine glaubhafte und nachvollziehbare Entwicklung durchmachen. So muss der missbrauchte Zsadist erst lernen Berührungen und Nähe zuzulassen. J.R. Ward schildert dabei die aufkeimende Beziehung der Beiden mit ihren Irrungen und Wirrungen so schön, rein und logisch, dass ich und meine internen Schmetterlinge gebannt mitfieberten. Sie macht dabei alles richtig und gibt ihren Figuren die Zeit sich zu entwickeln und glaubhaft zu sein.

Dieser starken Gefühlswelt steht in diesem Teil auch ein durchaus spannender Nebenplot zur Seite. Die Lesser unterstehen einem Führungswechsel. Doch der neue Haupt-Lesser Mr. O hat nur ein Ziel nämlich sein „Frau“ und ehemalige Geisel, Bella, wieder zu sich zu holen und zur Lesserin zu machen.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich jedes Mal frustriert aufstöhnte, als der nächste Perspektivwechsel anstand. So sehr wollte ich wissen, wie es mit unseren beiden Liebenden weitergeht.

Ich war überrascht, dass Thor seinen Schicksalsschlag schon so früh innerhalb der Reihe erfährt und bin gespannt, wann er wieder auf der Bildfläche erscheint.

Was ich von Rehvenge halten soll, weiß ich allerdings noch nicht. Als pelzmanteltragender, drogendealender Kontrollfreak hat er bei mir noch nicht viele Pluspunkte gesammelt. Doch er darf mich in seiner Geschichte sehr gerne überzeugen.

Ich bin sehr gespannt, ob im nächsten Teil um Butch und Marissa ein paar homoerotische Einlagen mit Vishous auftauchen werden. Der Cop und der Hellseher geben schon ein sonderbares Paar ab…

Meine einzige Kritik besteht darin, dass ich mit meiner Ausgabe eine 11. Auflage in den Händen halte, die mit so vielen Rechtschreib- und Grammatikfehlern daher kommt, wie selten eine Erstausgabe. Der Verlag nimmt sich gerne die Zeit aus einer Geschichte zwei Bücher zu fabrizieren, aber nicht zum Korrekturlesen…

Ansonsten bin ich rundum glücklich mit meiner bisherigen Lieblingspaarung und hoffe, dass sie auch noch in den nachfolgenden Teilen eine kleine Rolle bekommen wird.

Wertung 5/5

"Black Dagger 2: Ewige Liebe & Bruderkrieg" von J.R. Ward

Mary goes to Hollywood.

 Der zweite Vampir der Bruderschaft Black Dagger soll nun unter die Haube gebracht werden, doch so vielschichtig wie seine Persönlichkeit ist auch Rhages Liebesleben. Um die Bestie in ihm in Schach zu halten, braucht er viel Sex und Gewalt und das die ganze Nacht lang.
Aufgrund seines blendenden Aussehens von den Brüdern nur (Mr.) Hollywood genannt, weiß Rhage dass sich etwas ändern muss, als er zum ersten Mal Mary begegnet und abrupt hingerissen ist. Doch die todkranke Mary ist gar nicht so angetan von ihm, wie er es gerne hätte. Ihr tragikkomisches Rendezvous beginnt…
Ich war sehr gespannt auf die Geschichte von Rhage, der bereits im ersten Teil der Reihe sein wahres, zweites Wesen offenbaren konnte. Mit der an Leukämie erkrankten Mary ist ihm auch die richtige Partnerin an die Seite gestellt wurden, die seinen Drachen zu besänftigen weiß. So eine zahme Bestie hat durchaus ihre Vorzüge, da könnte auch ich schwach werden… ;)
Toll an dieser Paarung fand ich, dass Mr. Hollywood, dem jede Frau im Buch freiwillig die Bluse und mehr öffnen würde, sich so richtig anstrengen musste, um Mary für sich zu gewinnen. Das lag zwar an ihrer wiedergekehrten Krankheit und ihrem anfangs mangelnden Selbstvertrauen, aber auch darin stand ihr Rhage in nichts nach und J.R Ward ließ ihn bis zum ersten „Ich liebe dich, Rhage“ so richtig schön leiden, was in diesem „Hallo, ich bin ein Vampir und toll, lass uns auf Ewig Zusammensein“- Genre nicht unbedingt oft vorkommt.

Tatsächlich kam mir die Grundproblematik dieser Paarung ein wenig zu kurz. Die Frage, wie der nur schwer-sterbliche Rhage mit der menschlichen und todkranken Mary ein Happy End bekommen kann, wird im Buch erst einmal außen vor gelassen. Vielmehr dreht sich alles um Rhages Probleme mit der Bestie – ich fand es übrigens großartig, dass die Autorin seinen Zwang mit anderen Frauen schlafen zu müssen nicht mit der ersten Begegnung von Mary und ihm abstellte.
Wie die beiden eventuell glücklich werden können, wird erst in den letzten 30 Seiten enthüllt. Eine richtige Steigerung erhielten auch die heißeren Szenen, in diesem Teil kamen sie nun häufiger und besser vor, aber nur so, dass sie sich auch nahtlos in die Handlung einfügten und nicht gezwungen erschienen.
Mich nervten die Nebenplots mit den Häusle bauenden Lessern. Das war sogar nicht spannend.
Dafür war es umso besser, dass die anderen Brüder und ihre Schicksale immer mehr Konturen bekommen. Das nächste Paar Bella und Zsadist erhielt schon einige hochspannende, erschütternde und dramatische Zwischenspiele. Ich freue mich darauf und greife gleich zu ihrer Geschichte!


Wertung 4/5

"Black Dagger 1: Nachtjagd & Blutopfer" von J.R. Ward

Wrath und die schnurrenden Vampirkrieger.

 Für den Vampirkönig Wrath und seine Bruderschaft ist es ein herber Schlag, als sie den Tod eines ihrer Mitglieder verzeichnen müssen. War Darius doch für alle wie ein Fels in der Brandung. Doch der fast blinde König hat besonders mit der Situation zu kämpfen, denn ihm wurde Beth, Darius uneheliche Tochter, anvertraut. Die junge Journalistin steht kurz vor ihrer Transition zur Vampirin und weiß nicht mal etwas davon...

Ich habe mich etwas gesträubt an die Black Dagger heranzugehen, weil ich durch Lara Adrian bereits mit einer sehr ähnlich Thematik bedient wurde, doch J.R. Ward hat mit ihrer Reihe, die zwei Jahre vor den Midnight Breed veröffentlicht wurde, eine ganz neue Welt im Vampiruniversum angesiedelt.
Sehr komplex sind dabei die Strukturen und Hierarchien, welche jeweils zu Beginn eines Buches nocheinmal erklärt werden.
Am meisten konnten mich jedoch ihre Charaktere überzeugen. Wrath der erblindende Vampirkönig wird von seinem verstorbenen Ordensbruder beauftragt den Wandel seiner einzigen Tochter durchzuführen. Wrath ist gar nicht begeistert, doch als er Beth sieht, kann er einfach nicht seine Fänge von ihr lassen. Beth ist eine toughe, junge Frau, die bei mir im ersten Teil besonders durch ihren Humor punkten konnte. Mich störte jedoch, dass als sie von den Vampiren erfuhr, das ganz schnell abtat und nicht mit der Situation haderte. Ich finde allgemein, dass sich die Autorinnen dieses Genres viel zu wenig Zeit dafür nehmen und lieber ihre Figuren weltverändernde Neuigkeiten mit einem Schulterzucken abtun lassen.
Wrath und Beth sind aber bei weitem nicht die interessantesten Charaktere der Reihe. Die meisten wurden bereits in dieser Geschichte eingeführt, wobei ich mich schon sehr auf Rhages, Zsadists und Butchs Geschichte freue. Wie dieser á la "Hangover" am nächsten Tag mit Vishous in einem Bett erwachte, war sehr amüsant.
Der witzige Schreibstil ist für mich auch ein großes Plus der Serie. Die Autorin nimmt durch ihre Figuren ganz gerne mal das Vampirgenre aufs Korn.
Beispiel gefällig? "Aber konnte man sich tatsächlich einen todbringenden Blutsauger mit Namen Howard vorstellen? Eugen? 'O nein, bitte Herbert, bitte beiß mich nicht'-" (Blutopfer S.179)

Zusammen mit der spannenden Rahmenhandlung, die durch die stetigen Perspektivwechsel flott vorangetrieben wird, der Romantik, den ganzen Katzenliebhabern und interessanten Charakteren ergeben die Black Dagger eine vielversprechende Serie, die mich neugierig auf ihre vielen Fortsetzungen macht, auch wenn der Verlag sie so zerstückeln muss... Ich werde erstmal dranbleiben!

Wertung 4/5

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