Dienstag, 31. August 2021

Hörbuchrezension | Love is for Losers. Also echt nicht mein Ding von Wibke Brueggemann

 Auf Netgalley entdeckte ich ein Hörbuch, welches mich aufgrund der Anzahl der SprecherInnen neugierig machte. Dabei hätte mich das Cover auf den ersten Moment nicht angesprochen. Ich bin froh, dass ich das Buch dennoch anfragte, denn es ist ein ganz besonderes Schätzchen.


Phoebe ist 15 und von der Menschheit im allgemeinen ziemlich genervt. Im Speziellen hat sich ihre beste Freundin gerade wegen ihres Freundes von ihr abgenabelt und auch ihre Mutter ist für die ganze Welt da, nur nicht für ihre eigene Tochter. Als sie im Wohlfahrtsshop einer Freundin ihrer Mutter anfängt zu jobben, lernt Phoebe Emma kennen und erfährt, dass auch ihre Hormone anfangen Achterbahn zu fahren.

Der Titel "Love is for Losers. Also echt nicht mein Ding" ist eine Kampfansage! Und so lernen wir Phoebe auch kennen. Sie wird bald 16 und hat Angst, dass sie sich wie all die anderen in ihrem Umfeld dann auch verliebt und in ein Hormonzombie verwandelt. Auf ihre ganz eigene sarkastische Art kommentiert Phoebe das (Balz-)verhalten der Menschen in ihrem Umfeld und das ist wirklich urkomisch. Phoebe ist ein kleiner Wissenschaftsnerd, will mal in den Weltall fliegen und schaut schon ein wenig auf andere herab. Dabei war mir Phoebe zu keiner Zeit unsympathisch, da ich ihre humorvollen Sprüche wirklich unterhaltsam und klug fand.

Die Geschichte hat viele Anekdoten, die von Phoebes Betrachtungsart leben, so feiere ich die Beschreibungen zum Sexualleben der Designerkatzen noch heute! Doch auch die ernsten Töne machen die Geschichte aus. So müssen sich die Figuren mit dem Tod auseinandersetzen und hautnah erleben. Phoebes Mutter arbeitet als Ärztin in Krisengebieten und ist aktuell bei der Flüchtlingskatastrophe in Syrien im Einsatz. Der Teenager hat wenig Verständnis dafür, dass ihre Mutter sich ständig in Lebensgefahr begibt und nicht an ihre Tochter denkt, hat sie ja schließlich schon ihren Vater verloren.
Die Mischung aus schwerwiegenden Thematiken und Phoebes spritzigen Gedankengängen macht das Jugendbuch zu etwas besonderem. 

Was mir auch sehr imponierte, war die Liebesgeschichte. Phoebe trifft auf Emma und ist fasziniert von ihr, braucht allerdings ein Weilchen, um zu erkennen, dass sie sich tatsächlich auch verliebt hat. Dabei spielt es überhaupt keine Rolle für das Mädchen, dass sie lesbisch oder bisexuell ist. Das Ganze wird nicht mal thematisiert. Phoebe ist es einfach und damit gibt es keinen Grund zur Diskussion. Es spielt nicht mal eine große Rolle und so sollte es auch sein: Es ist normal. 
Überhaupt nimmt die Autorin auch bei Sexualthematiken absolut kein Blatt vor den Mund und das fand ich super, denn bisher ist mir das kaum in einem Jugendbuch begegnet. 

Ebenso ungewöhnlich war die Art, wie das Hörbuch eingesprochen wurde. Ich gehe davon aus, dass Elise Eikermann Phoebe spricht, denn sie ist auf dem Cover als erstes genannt. Ihre Stimme klingt sehr jung und frisch. Sie hat Phoebe den perfekten Charakter verpasst. Die anderen Nebenfiguren bekommen in der wörtlichen Rede ihre eigene Stimme und das fand ich richtig gut gemacht. Ich frage mich ja, warum das nicht mehr Hörbuchproduktionen so machen. Für mich war das nochmal die Kirsche auf dem besonderen Hörbuch.

"Love is for Losers" von Wibke Brueggemann lebt von seiner klugen und sarkastischen Protagonistin. Phoebe ist wirklich eine ganz besondere Jugendromanheldin, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben wird. Ihre Liebesgeschichte mit Emma lebt von der perfekten Mischung aus ernsten und lustigen Momenten. Ich habe jede Minute des Hörbuchs geliebt und hoffe, dass es bald mehr von der Autorin geben wird.

5/5 


Montag, 30. August 2021

Buchtipp | Tausend Mal schon von Marah Woolf

 Ich hatte das dringende Bedürfnis ein Buch von meinem SuB zu befreien, welches dort schon seit ein paar Jahren lag und eigentlich schon längst gelesen sein wollte.


Während eines Sturms in den Atlantik zu gehen ist keine gute Idee, darauf kam die 17-jährige Sasha allerdings zu spät und so zog sie Cedric aus dem Meer. Eine von vielen schicksalshaften Begegnungen der Beiden, denn Cedrics Seele lebte nun schon 1000 Mal und ist dabei stets auf der Suche nach Sashas. Ein Fluch verdammte ihn dazu. Doch nach diesem Leben soll Schluss sein, es sei denn beide können den Fluch brechen.

Ich habe bisher noch nichts von Marah Woolf gelesen, dabei wohnt sie ganz in der Nähe und ich habe den Erfolg ihrer Bücher daher immer beobachtet. Als das Buch vor 2 Jahren erschien, hatte es mir vor allem der Klappentext angetan. Vom Cover hingegen bin ich kein so großer Fan. Darauf ist mir viel zu viel los, ohne dass all die Elemente ein ansehnliches Zusammenspiel abgeben würden.

Was mich von Anfang an wirklich beeindruckte, war die Welt, die hier von Marah Woolf erschaffen wurde. Ich wurde direkt hineinkatapultiert. Dabei ist alles so gut durchdacht, dass ich das Gefühl hatte in einem Folgeband einer Reihe zu stecken. Alles war sehr komplex und gab mir den Eindruck als bestünde es schon seit hunderten von Jahren. Dabei hatte ich zu keiner Zeit Probleme in die Geschichte zu finden und das war richtig gut gemacht. Ich weiß nicht, wie die Autorin es angestellt hat, aber ihr gut durchdachter Weltenentwurf hat mich sehr beeindruckt.

Sasha hat ihre Eltern bei einem Unfall verloren, an dem Jäger Schuld waren. Vor denen versteckt sie sich auch auf der Atlantikinsel Alderney. Sasha steht kurz vor dem Eintritt in einen Orden, der es ihr ermöglicht sich an ihre vergangenen Seelenleben zu erinnern. Dann trifft sie auf Cedric und er unterbreitet ihr, dass sie sich schon einmal in einem vergangenen Leben begegnet sind. Sasha war eine Protagonistin, die niemandem wehtat, mir allerdings wohl auch nicht so lange im Gedächtnis bleiben wird.

Cedric ist der allgegenwärtige, atemberaubende Jugendbuchheld, welcher ohne Ecken und Kanten auskam. 
Interessanter und vielschichtiger fand ich da tatsächlich die Nebenfiguren und ihre zugewiesenen Funktionen. Die haben mich tatsächlich mehr beeindruckt als unser Pärchen.

Was ich toll fand, war die Tatsache, dass wir innerhalb der Handlung auch in andere Zeiten reisen, denn dies beherrscht der Orden. Das war wirklich vielfältig und interessant. 

Ich muss allerdings auch sagen, dass mich die Handlung nicht immer bei der Stange halten konnte, da ich parallel einige andere Ebooks beendete und das Buch sogar einen Monat pausierte, weil der Urlaub und andere Bücher dazwischen kamen. Vielleicht war ich auch nicht so in der Stimmung für diese Art Buch, denn qualitativ war die Geschichte wirklich gut. 

"Tausend Mal schon" war mein erster Roman von Marah Woolf und ich war beeindruckt von ihrem Talent unglaublich gut durchdachte Welten und Nebenfiguren zu kreieren. Allerdings konnte mich das Buch nicht so sehr fesseln, wie ich es vermutet hätte.

4/5

Sonntag, 29. August 2021

Hörbuchrezension | Miss Daisy und der Tote auf dem Eis von Carola Dunn

 Auf Netgalley entdeckte ich einen Krimi, der mich vor allem wegen seines Settings in seinen Bann zog und ein paar gemütliche Hörstunden versprach.


England in den 1920er Jahren, die junge Miss Daisy Dalrymple macht sich auf den Weg nach Wentwater Court, denn dort soll sie einen Zeitungsartikel über das Anwesen und deren Bewohner schreiben. Allerdings kommt alles etwas anders als eine Leiche im zugefrorenen See auftaucht und Daisy kurzerhand unter die Ermittlerinnen geht.

Mich faszinierte bei dieser Geschichte die Aussicht in den 1920er Jahren als Gast bei einer englischen Adelsfamilie in einem prächtigen Herrenhaus zu logieren. Das Setting war wirklich atmosphärisch. Gleichzeitig war die Landschaft auch noch im Schnee versunken und das machte es umso schöner.

Daisy ist Anfang 20, kommt aus gutem Hause und arbeitet für ein Magazin. So kommt sie auch nach Wentwater Court, wo sie allerdings schon ein paar der Bewohner kennt. Ich muss sagen, dass ich bis zum Ende keinen Zugang zu Daisy gefunden habe. Sie sollte in die Ermittlerinnen-Schiene à la Agatha Christie gedrängt werden, doch hat das für mich aufgrund ihres Alters und der mangelnden Lebenserfahrung nicht so gut gepasst.

Als der Tote gefunden wurde und die Anzeichen für einen Mord sich verdichten, wird ein Polizeiermittler hinzugezogen, auf den Daisy ein Auge geworfen hat. Allerdings passiert dahingehend nichts, daher hätte ich auch keinen möglichen Loveinterest gebraucht. In den noch folgenden Bänden werden die beiden sicher noch aufeinandertreffen.

Nun allerdings zum größten Kritikpunkt an der Geschichte und das ist der Todesfall. Dass es kein Unfall war, ist natürlich von vornherein klar, wenn man sich einen englischen Cosy-Crime schnappt. Die Liste der Verdächtigen umfasste sämtliche Bewohner von Wentwater Court und das waren verdammt viele. Ich bin leider irgendwann nicht mehr mitgekommen, wer alles dort wohnte, da die Eigenschaften und Funktionen der Figuren nicht klar genug abgegrenzt waren. Sie blieben zu blass und waren sich daher so ähnlich, dass ich sie nicht unterscheiden konnte. 

Die Auflösung des Falls war so banal und vorhersehbar, dass ich bis zum Ende immer noch auf den großen Twist wartete, doch der kam nicht. Also auch auf der Ebene hat mich der Krimi von Carola Dunn enttäuscht.

Gelesen wurde das Hörbuch von Julia von Tettenborn, die einen sehr guten Job machte und den Figuren das fehlende Leben einhauchen konnte. Dabei legte sie ein schauspielerisches Talent an den Tag, was mir gut gefiel.

"Miss Daisy und der Tote auf dem Eis" von Carola Dunn klang nach der perfekten Lektüre für das regnerische, frühherbstliche Wetter. Doch leider konnte mich der Krimi nicht überzeugen, denn weder die Liste der Verdächtigen noch die Auflösung des Falles waren so richtig spannend.

2,5/5


Samstag, 28. August 2021

Teil 2 | Die Rebellinnen von Oxford. Unerschrocken von Evie Dunmore

 Ich durfte seit längerem endlich wieder an einer Lesejury-Leserunde teilnehmen und das zum zweiten Band der Rebellinnen von Oxford. Teil eins hatte mich im Urlaub aus den Socken gehauen und so freute ich mich auf die Fortsetzung.

Lucie kämpft für das Recht der Frauen. Sie lässt sich nicht unterkriegen und muss für ihre Überzeugungen einiges einstecken. Um ihre Ansichten für die breite Masse zugänglich zu machen, kauft sie die Hälfte eines Verlagshauses für Frauenmagazine. Die andere Hälfte besitzt ausgerechnet ihr Erzfeind aus Jugendzeiten: Tristan Ballentine. Er macht ihr ein unerhörtes Angebot: für die Mehrheit am Verlag verlangt er eine Nacht mit Lucie.

Das Cover ist wieder sehr schön gelungen und passt gut in die Reihe hinein, auch wenn ich mir Lucie wohl ein wenig hellblonder vorgestellt hätte.

Wir lernen die Anführerin der Frauenrechtsbewegung in Oxford schon in Band eins kennen, wo sie streng und unerschrocken ihre Ortsgruppe leitet und voll für ihre Überzeugungen brennt. Nun lernen wir die Hintergründe zu ihrer Person kennen und erfahren, wie Lucie zu der wurde, die sie heute ist. Lucie ist für ihre Zeit eine sehr inspirierende junge Frau, die ganz bewusst auf Familie und Ehe verzichten will, da sie frei sein möchte und niemandes Besitz sein kann. Lucie tritt für das Frauenrecht ein und half so einigen von ihnen aus schlimmen Situationen hinaus. Sie stammt aus gutem Hause, wurde aber von ihrer Familie wegen ihres politischen Engagements verstoßen. Dank einer Erbschaft lebt Lucie eigenständig in Oxford.

Tristan ist ein Lebemann, wie er im Buche steht. Ihm werden die unglaublichsten Frauengeschichten nachgesagt, er trinkt und lebt in den Tag hinein. Seine ernste Seite kennen die wenigsten. Ich mochte die Mischung aus dem charismatischen und witzigen jungen Helden sowie der tragischen Figur, die Tristan auch abgibt. Er wuchs in einem grausamen Elternhaus auf und wird zur Ehe erpresst, doch Tristan denkt nicht daran zu heiraten. Mit seinen ganz eigenen Motiven kauft er das Verlagshaus und macht Lucie das unschickliche Angebot.

Beide zusammen waren sehr unterhaltsam, da hier einfach zwei konträre Welten aufeinander prallen, die nicht viel gemeinsam haben. Dennoch ist da die Chemie zwischen ihnen und die Liebe zu Katzen. <3

Die Beziehung der beiden zueinander ist sehr präsent und dominiert die Handlung. Lucie hat sich in ihrem Buch auf Abwege bringen lassen, was ich nicht schlimm fand. Mir gefiel wieder, wie gut Evie Dunmore für ihre Geschichte recherchiert hat und dass sie sogar Oscar Wilde einen kurzen Auftritt gönnte. Am Ende wird es noch mal dramatisch, was ich gut fand, da die Handlung bis dato nicht so sehr voran kam.

Der zweite Teil war wirklich gut, aber Teil eins hat mich emotional einfach mitgerissen. Ich hatte Herzschmerz während des Lesens und dieses Gefühl habe ich hier vermisst. Das ist allerdings meckern auf hohem Niveau und ich bewerte dieses Buch auch nur so, weil es im direkten Vergleich zu Band eins steht.

Evie Dunmore hat mit ihrem zweiten Band zu den Rebellinnen von Oxford bekräftigt, was für eine tolle Nachwuchsschriftstellerin sie ist. Unerschrocken erzählt sie die ungewöhnliche Liebesgeschichte zwischen Tristan und Lucie, die mich sehr gut unterhalten konnte, da beide Figuren einfach eine Klasse für sich sind. Allerdings war ihre Geschichte nicht so stark wie das Debüt der Autorin.

4/5


Sonntag, 22. August 2021

Buchvorstellung | Der Ravensburger Dinosaurier Atlas

 Auf Vorablesen gewann ich ein ziemlich cooles Sachbuch, welches definitiv nicht nur Kinder begeistern kann.


Ich habe ein Faible für Fossilien und schon einige am Ostseestrand gefunden. Als ich vor ein paar Jahren Kenneths Oppels Jugendbuch "Vom Suchen und Finden" las, in dem sich zwei verfeindete Forscherfamilien auf die Suche nach dem ersten T-Rex-Fossil begaben, bin ich für ein interessantes Buch über Dinosaurier immer zu haben.

Der Ravensburger Verlag hat einen stattlichen Atlas der ausgestorbenen Spezies gewidmet. Die  farbigen  Doppelseiten lassen sich ausklappen und bieten somit viel Platz für Illustrationen und wissenswerte Fakten. Die meisten Dinos hatten keine Schuppen sondern Federn. Fliegen konnten trotzdem die wenigsten. Außerdem waren die wenigsten einfarbig grau, sondern farbenfroh unterwegs. 

Ganz viel mehr gibt es außerdem zu entdecken. Mir gefiel, dass der Atlas in Kontinente unterteilt aufgebaut war, denn natürlich passte sich das Äußere der Dinos ihrem jeweiligen Lebensraum an. Welche Erkenntnisse konnten die Forscher aus den Fossilienfunden und Spuren ziehen? Darüber gibt der Atlas auch einen Einblick. Das war so interessant, dass ich im nächsten Leben sicher Dinoforscherin werde und in den steinigen Wüsten Nordamerikas sitze, um Fossilien aus dem Staub zu heben.

Ganz besonders war für mich der Illustrationsstil. Die Dinos erscheinen teilweise abstrakt durch ihre Farbigkeit und regen damit wirklich die Fantasie an. Vielleicht waren sie wirklich so bunt, wie die Bilder es uns erahnen lassen und nicht so trist grau, wie bisher angenommen. 

Durch teilweise gut versteckte Klappen kann man noch mehr Infos, Fotos und Illustrationen entdecken. Das macht den Atlas auch noch ein Stück interaktiver. Es hat mir auf jeden Fall richtig viel Spaß gemacht, alles zu entdecken und ich werde das Buch definitiv noch öfter in die Hand nehmen, spätestens dann, wenn der Nachwuchs so weit ist, um mit dem Fossilienfieber angesteckt zu werden!

"Der Ravensburger Dinosaurier Atlas" ist eine beeindruckende Sammlung an geballtem Dinowissen. Auf an die 60 Seiten kann man einiges über die Urzeitechsen erfahren und auf den großflächigen, farbigen Bildern entdecken. Die Art der Wissensvermittlung macht das Buch zu etwas Besonderem und eignet sich nicht nur für die kleinen NachwuchsforscherInnen.

5/5

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