Dienstag, 11. Juni 2013

"Land der Schatten: Magische Begegnung" von Ilona Andrews

Überzeugend schreibt man anders!

 Es gibt zwei Parallelwelten: das Broken (unsere Wirklichkeit) und das Weird - eine Welt die voller Magie und mittelalterlicher hierarchischer Strukturen strotz. Beide Welten überschneiden sich an einigen Stellen und bilden dort das Edge. Dort lebt Rose, die kraftvolle Blitze schleudern kann, mit ihren beiden jüngeren Brüdern George und Jack, einem Nekromanten und einem Lykanthropen. Als eines Tages Declan, ein Adliger aus dem Weird, vor ihrer ärmlichen Haustür steht, ist für Rose schnell klar: er ist wieder mal einer, der sie als Gebährmaschine ins Weird verschleppen will. Angsteinflößende hundeartige Biester beginnen die Bewohner des Edge anzugreifen und Rose muss sich eingestehen auf die Hilfe des gutaussehenden Declans angewiesen zu sein.

Positiv hervorzuheben aus Ilona Andrews "Land der Schatten - Magische Begegnungen" ist das originelle Setting und die Idee der magischen Parallelwelten, was eine Erfrischung auf dem Urban Fantasy Markt hätte darstellen können.
Anfangs lesen sich die Beschreibungen der Welt voller Kuriositäten und magischer Geschöpfe auch noch sehr flüssig, doch nach den ersten 100 Seiten beginnt sich der Wurm einzuschleichen. Die Handlung scheint zu stagnieren. Beschreibungen von Waffen, Kampftechniken, magischen Ritualen und Bestienangriffen übernehmen die Oberhand. Auch die Beschreibungen des Waldes waren einfach nur mühsam und konnten in meinem Kopf einfach kein Bild entstehen lassen, sodass ich diese Passagen einfach nur quer gelesen habe. Der Schreibstil, mit dem das Buch verfasst wurde, ist in sich unstimmig, was wohl daran liegen mag, dass sich hinter dem Pseudonym Ilona Andrews ein Autorenehepaar verbirgt. Ob es an der Übersetzung oder an der Unzulänglichkeit der Autoren liegt, weiß ich nicht, aber einige Formulierungen sind unpassend und verwirren (z.b. sie küsste seine Kinnbacken !!!), genauso wie einige Dialoge, die einfach nicht zusammen passen wollen.
Abstoßend zu lesen, war das mehrmalige Erwähnen des Schweißgeruchs des Protagonisten. Was wohl männlich und besonders kriegerisch erscheinen sollte, war in den wenigen Situationen, in denen Rose und Declan allein waren, eher unpassend. Das Verhältnis der beiden zueinander ist eher unglaubwürdig und untypisch für ein Buch des LYX-Verlages. Sie mag ihn nicht, fühlt sich jedoch angezogen von ihm. Er mag sie abrupt aus unerfindlichen Gründen, will sie unbedingt ins Bett kriegen. Das höchste der Gefühle waren zwei drei Küsse bis es dann endlich auf Seite 351 zum Showdown zwischen beiden kommt, der nach einer Seite auch schon wieder abgehandelt wurde und dann nie wieder auftaucht. Und auf einmal ist es die ganz große Liebe.
Rose Charaktergestaltung fand ich anfangs sehr überzeugend, wie sie sich um ihre beiden Brüder sorgt und unbedingt Geld in einem elenden Putzjob verdienen muss, um zu überleben. Doch erhält man während des ganzen Buches kein Bild wie sie eigentlich aussieht. Declan war eher ein Held ohne Kanten, dem zwar edle Motive zugesprochen werden und die auch ausführlich beschrieben sind, doch machen diese ihn nicht wirklich lebendig. Rose Großmutter, die meint sich ständig einmischen zu müssen, ist einfach nur nervig und trägt keinen sonderlich großen Anteil an der Entwicklung der Handlung. Der eigentliche Bösewicht der Geschichte taucht vielleicht dreimal auf, versprüht kannibalisches Verlangen und verschwindet dann wieder minderbedrohlich. Die beiden Brüder gewinnt man im Laufe der Handlung schnell lieb und sind ein kleiner Lichtblick. Der ansatzweise interessante Charakter des William wird anfangs kurz eingeführt (ihm ist der Folgeband "Spiegeljagd" gewidmet, welcher im Juni erscheinen wird) und spielt im stärker werdenden Schluss des Buches wieder eine größere Rolle. Doch so schnell wie er zurück kam, verschwand er auch sang- und klanglos wieder.

Zusammenfassend zu sagen ist, dass das Buch keinen überzeugenden Höhepunkt hat und jegliche Spannung von ernüchternden Beschreibungen erdrückt wird. Nach gutem Anfang schwachen Mittelteil und besserem Ende ist die Reise ins Land der Schatten für mich beendet. Ich persönlich kann gegenüber all den anderen positiven Rezensionen der zwar neuartigen Idee in der Umsetzung nicht viel Gutes abgewinnen. Nach langem hin und her werden es doch drei Sterne, weil ich bei weitem schon schlechtere Bücher gelesen habe.

Wertung 3/5

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen