Dienstag, 4. Juni 2013

Little Dorrit

Nicht die Verfilmung, sondern Dickens schwächelt!

 Amy Dorrit oder auch Little Dorrit genannt wurde im Schuldnergefängnis Marshalsea geboren und verbrachte dort ohne ihr Zutun das bisherige Leben. Um etwas Geld zu verdienen nimmt sie eine Stelle als Näherin bei Mrs. Clennam an. Doch diese ist alles andere, als für ihre Barmherzigkeit bekannt. Als ihr Sohn Arthur nach einer langen Asienreise zurückkehrt und Amy bei seiner Mutter arbeiten sieht, will er dem Grund dafür und das Geheimnis seiner Mutter herausfinden. Hat die Familie Clennam etwas mit dem Leid der Dorrits zutun?

Charles Dickens verfasste "Little Dorrit" als Episodenroman und so ist aus der BBC - Verfilmung eine 14-teilige Miniserie geworden. Die Schauspieler, Schauplätze und Kostüme sind in qualitativer BBC - Manier, also ist es eher die literarische Vorlage, die mich meckern lässt. Die Fülle an Charakteren, die angeblich etwas mit dem Geheimnis der Clennams und Dorrits zutun haben sollen, es aber tatsächlich nicht haben, ist einfach zu viel. Sie sind einfach nur Lückenfüller (z.Bsp die mehr oder weniger mysteriöse Ms. Wade und Herriet) und somit eher unwichtig, ja eher hinderlich für die Entwicklung der Geschichte. Dickens musste wohl sein Geld verdienen, indem er Seiten mit belanglosen Charakteren und deren Handlung füllte, um möglichst viele Episoden veröffentlichen zu können.
Alle scheinen etwas zu verbergen und so baut sich der eher lasche Spannungsbogen über 13 Folgen auf, um sich dann in den letzten 20 Minuten der 14. Folge zu entladen. Dabei werden aber tatsächlich die ganzen Geheimnisse, Lügen und Intrigen sämtlicher Protagonisten am Stück aufgedeckt, sodass man kaum Zeit zum Schlucken hat und die grauen Zellen erst recht nicht hinterherkommen. Am Ende versteht man die ganze Geschichte, doch sehr schnell, weil sie nicht wirklich kniffelig oder ausgefeilt ist.
Die Figuren der Familie Dorrit, wie Charles Dickens sie zeichnete sind alle, Amy ausgenommen, absolut egoistisch, einfältig und unsympathisch. Wenn Amys Geschwister und ihr Vater mit ihren Ansichten auffahren, was man in der feinen englischen Gesellschaft verlangt, ist einfach nur Fremdschämen angesagt, sodass man am liebsten im Kapitel vorspringen möchte.

Der wunderbare Matthew Macfadyen war ein Grund für den Kauf dieser DVD, doch ist seine Darstellung des Arthur Clennam eher blass und kraftlos. Die Chemie zu Claire Foy (Amy Dorrit) scheint auch nicht zu stimmen, sodass man sich am Ende fragt, warum die beiden eigentlich zusammen finden und heiraten.

Dann doch positiv an der Miniserie "Little Dorrit" ist, dass die Lebensumstände der ärmeren Bevölkerung in England in der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgezeigt werden. Auch die dunklen Schauplätze vermitteln eine authentische Atmosphäre. Die Spannung ist insoweit vorhanden, dass man doch schon wissen möchte, wie die Handlung sich weiterentwickelt und wie das unglaubliche Geheimnis sich gestaltete. Doch am Ende bleibt eine beachtliche Enttäuschung zurück. Vielleicht haben die bisher positiven Rezensionen meine Erwartungen einfach zu hoch geschraubt. Wirklich schade!

Wertung 3/5

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