Montag, 10. Juni 2013

"Sündiger Mond" von Louisa Burton

Experimentell, nicht explizit.

"Sündiger Mond" von Louisa Burton ist bereits der zweite Teil einer Reihe, um die das verführende Anwesen Grotte Cachée in Frankreich. Um diesen Band zu verstehen, muss man nicht den Vorgänger "das Schloss der geheimen Wünsche" gelesen haben, das habe ich auch nicht, weil er hier bei Amazon nicht mehr neu zu kriegen ist.
Das Buch an sich ist kein klassischer Roman, sondern besteht aus drei Episoden, die alle in dem französischen Anwesen spielen.
Die erste Geschichte spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts und besteht aus Briefen, die die Journalistin und Autorin Emily ihren Freund schickt und aus ihrer Zeit am Schloss berichtet. Sie ertappte dort ihren damaligen Verlobten beim Fremdgehen mit zwei Frauen gleichzeitig, beendete die Verbindung und wurde daraufhin von den übernatürlichen Wesen, deren Zuhause die Grotte Cachée, in die körperlichen Liebe eingeführt. In einem anonym veröffentlichten Roman schildert Emely ihre damaligen Erlebnisse, wobei sie ihrem Briefpartner nun schildert, was damals auf dem Schloss wirklich geschah. (Circa 100 Seiten)

In der zweiten Episode, die um 1803 angesiedelt ist, lernen wir Caroline kennen, die aus Not von einer Brücke springt, jedoch dabei nicht ums Leben kommt, verzweifelt und verarmt nimmt sie das Angebot eines englischen Gentleman an und wird als Sklavin für eine Woche an einen reichen Adligen auf dem französischen Anwesen versteigert. (Ca.140 Seiten)

Im letzten Teil erfahren wir aus heutiger Sicht die Geheimnisse des Schlosses und seiner Bewohner. Während in der Nebenhandlung das Buch aus Episode eins als Porno verfilmt wird, müssen Isabel und Adrian feststellen, dass sie einander wollen, aber um das Fortbestehen des Schlossen zu sichern, sich nicht haben dürfen. (Ca.40 Seiten)

Ich fande die zweite Geschichte am unterhaltsamsten, weil sie eher einem Roman gleichkam und sich als dieser in ausgedehnter Form auch als wirklich lesenswert herausgestellt hätte. Hier entpuppt sich die Geschäftsverbindung von Caroline und ihrem Erwerber Lord Rexton als aufkeimende Liebesbeziehung. Die Charaktere sind überzeugend herausgearbeitet, es gibt eine nachvollziehbare Handlung und die Atmosphäre dieser Zeit wurde wirklich gut dargestellt. Es gibt eigentlich nichts zu meckern, außer dass ich diesen Teil mit 140 Seiten zu kurz fand und genug Potenzial für einen ganzen Roman dagewesen wäre. Die beiden anderen Teile waren auch durchaus unterhaltsam und originell, so erfährt man in einem fiktiven Nachruf am Ende des ersten Teils von dem weiteren Leben Emilys. Louisa Burton hat einen wirklich tollen, unordinären Schreibstil und schafft es, alle drei Geschichten, die in unterschiedlichen Epochen stattfinden, glaubwürdig zu schildern. Was sie erzählt, ist oftmals eher experimentell, doch wer explizite Szenen sucht, wird hier eher nicht fündig werden, da Louisa Burton lieber mit den Fantasien ihrer Leserinnen spielt.
Ich habe nicht viel zu meckern und vergebe für den tollen Schreibstil der Autorin und der ausgezeichneten, zweiten Episode volle Punkte.


Wertung 5/5

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